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Eisfreies PolarmeerTierwanderung nimmt zu

17.08.2008, 11:00 Uhr

In Folge des Klimawandels und abschmelzenden Nordpols könnten, wie vor 3,5 Millionen Jahren, wieder Kleintiere vom Nordpazifik in den Nordatlantik wandern.

Mitte des Jahrhunderts könnte der Nordatlantik zur neuen Heimat für zahlreiche Einwanderer aus dem Nordpazifik werden. Die Klimaerwärmung ermögliche es vielen Krebsen, Schnecken, Muscheln und anderen pazifischen Meeresbewohnern, über die Beringstraße und das dann vermutlich eisfreie Nordpolarmeer in den Atlantik zu wandern.

Dies berichten US-Forscher im Journal "Science" (Bd. 321, S. 780). Damit könnten die Tiere einen Wanderweg wieder eröffnen, der bereits vor 3,5 Millionen Jahren die Ausbreitung von Pazifikbewohnern in den Nordatlantik ermöglichte.

Spätestens 2050 eisfrei

Geerat Vermeij von der University of California in Davis und Peter Roopnarine berufen sich bei ihrer Prognose auf gängige Klimamodelle, denen zufolge das Nordpolarmeer spätestens 2050 zumindest vorübergehend eisfrei sein wird.

Damit entstünden in dem Ozean Bedingungen, wie sie zuletzt vor rund 3,5 Millionen Jahren während des mittleren Pliozäns geherrscht haben, schreiben die Forscher. Schon damals seien Weichtiere aus dem Pazifik in den Atlantik gewandert. Dies hätten Fossilien gezeigt.

Ausschlaggebend für die Ausbreitungschancen der marinen Weichtiere sei aber nicht nur die höhere Wassertemperatur, sondern vor allem die daraufhin steigende Verfügbarkeit von Planktonnahrung, erklären die Forscher. Ihrer Untersuchung zufolge haben mindestens 77 Stämme von Mollusken das Potential, ohne Hilfe des Menschen in den Nordatlantik zu gelangen. Vermutlich würden die tatsächlichen Zahlen aber weit höher liegen.

Konkurrenz wird zunehmen

Zur Ausrottung einheimischer Arten wird die Invasion der Pazifikbewohner vermutlich aber nicht führen. Die Artenvielfalt des Atlantiks werde erweitert, und neue Arten durch die Vermischung alter und neuer Bewohner entstehen, schreiben die Forscher. Die Konkurrenz aber werde zunehmen.

In umgekehrter Richtung werde die Route vermutlich kaum bewandert werden: Im Pazifik lebten vorrangig große Vertreter der Tierklassen. Die eher kleinen Exemplare aus dem Nordatlantik könnten sich denen gegenüber wohl kaum durchsetzen. Insgesamt sei die Wanderung zwischen den Ozeanen "ein natürliches Experiment, dem wir alle mit großem Interesse entgegen sehen sollten", schreiben die Forscher.

(Fachartikelnummer: DOI 10.1126/science.1160852)