Montag, 18. Februar 2008
Thunfisch-Desaster: Vom Kabeljau nichts gelernt
Meeresforscher und Artenschützer warnen vor einem dramatischen Zusammenbruch zahlreicher Thunfischbestände in den Weltmeeren. Die ungezügelte Überfischung sei nicht nur verheerend für die Tiere, sie bedeute auch heute bereits einen enormen wirtschaftlichen Schaden, berichtete Jos Ingles von der Umweltstiftung WWF-Philippinen zum Abschluss der Jahrestagung des US-Wissenschaftsverbands AAAS in Boston. Allein der philippinischen Fischereiflotte entgingen durch den Fang zu junger Fische mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar (820 Millionen Euro) pro Jahr.
Dem Thunfisch drohe vielerorts ein ähnliches Schicksal wie dem Kabeljau, dessen Bestände in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil drastisch eingebrochen waren. So sei in nur drei Jahren der wirtschaftliche Ertrag aus der Jagd auf den Gelbflossen-Thunfischs (Neothunnus macropterus) im zentralen Westpazifik um mehr als 40 Prozent gesunken, berichtete Rashid Sumaila von der Universität von British Columbia (Kanada). Brachte der vor allem auf dem japanischen Sushi-Markt beliebten Fisch 2001 in der Region noch 1,9 Milliarden US-Dollar, waren es 2004 nur noch 1,1 Milliarden Dollar.
Ursache sind oft veraltete Fangmethoden. Reiche Länder wie Japan oder die USA hätten zwar auch Methoden zum gezielten Fang erwachsener Thunfische entwickelt. Die Flotten von Entwicklungsländern wie die der Philippinen fischten mit ihren kilometergroßen Reusen und Schwarm anlockenden Techniken aber regelmäßig und zum eigenen Nachteil große Mengen Jungfische aus dem Meer. Für diesen Beifang an Gelbflossen- Thunfischen der philippinischen Flotte rechnete Ingles vor: "Wenn die Fische heranwachsen dürften, wären sie mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar jährlich wert - deutlich mehr als die rund 236 Millionen Dollar, die derzeit mit jungen Fischen erzielt werden."
Beispiel Kabeljau
Die Fischereiexperten sehen den Thunfisch an der Schwelle zu einem "desaströsen Niedergang". Sie erinnerten daran, dass mit der Kabeljaufischerei auch ganze Wirtschaftszweige vieler Länder zusammengebrochen seien.
"Auf ihrem Gipfel brachte die kanadische Kabeljaufischerei im Atlantik 1968 einen Ertrag von 1,4 Milliarden US-Dollar", erläuterte Sumaila. "2004 brachte sie nur noch 10 Millionen US-Dollar ein." Aus diesem katastrophalen Zusammenbruch müsse die Thunfisch-Fischerei lernen, mahnten die Experten auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS). Die jährliche Konferenz gilt als größtes fachübergreifendes Forschertreffen der Welt. In Boston hatten sich nach Veranstalterangaben rund 9000 Teilnehmer aus mehr als 60 Ländern zusammengefunden.
Wissen
-
Chemiegeruch meiden
Karnevalsmasken oft belastet
-
Küssen verboten? Im Gegenteil!
Die 10 größten Erkältungsirrtümer
-
Gefährliche Infektion
Schlaffes Baby sofort zum Arzt
-
Kleinste europäische Trägerrakete
Vega bereit für Jungfernflug
-
Maya-Forscher sind sich (fast) sicher
Die Welt geht 2012 nicht unter
-
Dichtung und Wahrheit
Neues von der CO2-Lüge
-
Vahrenholt irrt
"Es wird weiterhin wärmer"
-
Reparatur statt Austausch
Titanring dichtet Herzklappen ab
-
Im Rücken und im Magen
Wenn die Seele schmerzt
-
Krebstherapie in der Schwangerschaft
Chemo gefährdet Babys nicht
-
Fundsache, Nr. 1081
Römische Außenposten aufgespürt
-
Töne im hohen Ultraschallbereich
Wie sich Primaten unterhalten
