Die Kleine HufeisennaseVon Insektiziden vergiftet
In vielen Ländern Europas ist die Kleine Hufeisennase bereits ausgestorben. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht. Die Bundesartenschutzverordnung stuft sie als "streng geschützt" ein.
Die Kleine Hufeisennase, Rhinolophus hipposideros, gehört zu den kleinsten Fledermausarten Europas. Sie ist nur vier Zentimeter groß, ihre Flügelspannweite beträgt 25 Zentimeter. Ihren Namen verdankt sie einem hufeisenförmigen Hautaufsatz auf der Nase. Anders als die meisten anderen Fledermausarten sendet die Kleine Hufeisennase ihre Schallwellen für die Echoortung nicht durch das Maul, sondern durch die Nase aus. Der Nasenaufsatz bündelt die Schallwellen zusätzlich.
In vielen Ländern Europas ist die Kleine Hufeisennase bereits ausgestorben. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist die Kleine Hufeisennase "streng geschützt". Schuld an dem enormen Rückgang seit den 60er Jahren sind vor allem die Flurbereinigung und die giftintensive Landwirtschaft. Insektizide führen zur Vergiftung der Fledermäuse und gleichzeitig zu einer Verringerung des Nahrungsangebotes.
Kleine Bestände dieser Fledermausart finden sich in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie bevorzugt wärmere Gebiete und geschützte Täler. Durch Sachsen verläuft ihre nördliche Verbreitungsgrenze, in diesem Bundesland leben auch die meisten dieser Tiere. Daher kommt Sachsen eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Art zu.
Die dort lebenden Kleinen Hufeisennasen haben sich in der Umgebung von Dresden, in der Sächsischen Schweiz, im unteren Osterzgebirge und in der Oberlausitz angesiedelt. 2006 waren in Sachsen zehn Sommer- und 20 Winterquartiere der Fledermausart bekannt. Der Gesamtbestand in den Sommerquartieren zählte rund 650 Tiere.
Die Kleine Hufeisennase ernährt sich von Insekten. Dafür geht sie vorwiegend in Laubwäldern sowie in Parks, Alleen und auf Streuobstwiesen auf die Jagd. Wichtig für die Fledermausart ist die Vernetzung ihres Sommerlebensraums durch so genannte Leitstrukturen, wie etwa Gehölze oder Hecken. Daran orientieren sich die Tiere auf dem Flug von ihrem Quartier zum Jagdrevier. Freie Flächen von mehr als 200 Metern Ausdehnung überfliegen die Fledermäuse selten.
Die Wochenstuben richten die Kleinen Hufeisennasen vorzugsweise auf dunklen, warmen und zugluftfreien Dachböden oder in geheizten Kellerräumen ein. Im Unterschied zu anderen Fledermausarten können sie nicht durch Spalten kriechen. Daher kommen nur Quartiere mit freien Einflügen für sie in Frage. In den Wochenstuben leben dann meist 70 bis 100 Weibchen, die Mitte Juni bis Anfang Juli höchstens je ein Junges gebären. Die Jungtiere sind nach etwa sieben Wochen selbstständig und nach rund einem Jahr geschlechtsreif.
Im Herbst ziehen die Fledermäuse in ehemalige Bergwerke bzw. Stollen, Höhlen oder Keller um. Dann halten sie Winterschlaf. Da sie sich nicht in Spalten verkriechen können, sind sie dabei besonders gefährdet. Der Bestand in Sachsen hat sich in den letzen Jahren auf niedrigem Niveau stabilisiert.