Schmetterlinge wandernWärmster Winter seit 1880
Der vergangene Winter war US-Behördenangaben zufolge der weltweit wärmste aller Zeiten. Deutsche Schmetterlingsforscher berichten außerdem von einer Wanderung zahlreicher Arten in Richtung des sich erwärmenden Nordens.
Der zu Ende gehende Winter war nach Erkenntnissen von US-Forschern weltweit der wärmste seit Beginn ihrer Aufzeichnungen im Jahr 1880. Die Temperatur habe von Dezember bis Februar 0,72 Grad Celsius über dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts gelegen, teilte die Nationale Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA) in Washington mit. Deutsche Schmetterlingsforscher berichteten außerdem von einer Wanderung zahlreicher Arten in Richtung des sich erwärmenden Nordens.
Auf der nördlichen Halbkugel habe der Wert mit 0,91 Grad besonders weit über dem Durchschnitt gelegen, erklärte die NOAA. Auf der Südhalbkugel stieg die Temperatur weniger stark, lag aber mit 0,49 Grad ebenfalls deutlich über dem Mittelwert. Nach den Angaben der Behörde stieg die weltweite Temperatur seit 1906 im Durchschnitt pro Jahrzehnt um 0,06 Grad. Zum Teil machen die Wissenschaftler das El-Nio-Wetterphänomen, das die Meeresoberfläche im östlichen Pazifik aufgewärmt habe, für den ungewöhnlich milden Winter verantwortlich.
Die bisherigen Rekordtemperaturen waren im Winter 2003/2004 gemessen worden. Zum neuen Rekord habe besonders der warme Januar beigetragen, hieß es bei der NOAA. Allerdings lag auch der Februar deutlich über dem Schnitt, besonders in Mittel- und Südeuropa, Südamerika und dem südlichen Teil der Vereinigten Staaten. In Skandinavien, Russland und dem nördlichen Teil der USA wurden dagegen kältere Temperaturen gemessen.
Auch das gesamte Jahr 2006 wird als Jahr zahlreicher neuer Wetter-Rekorde in die Klimageschichte eingehen. Das berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) der Vereinten Nationen bereits im vergangenen Dezember. Laut WMO gab es in Teilen Europas, wie etwa Großbritannien (gemessen seit 1659), den Niederlanden (1706) und Dänemark (1768), den heißesten Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen.
Der Klimawandel führt unterdessen bereits zu einer Art Völkerwanderung bei Schmetterlingen. Während kälteliebende Arten bedroht seien, würden Tiere aus dem Süden in den immer wärmer werdenden Norden vordringen. Das berichteten Experten auf einer Tagung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Da Schmetterlinge gute Indikatoren für die Folgen von Umweltveränderungen sind, gehen die Forscher davon aus, dass sich der Klimawandel in Zukunft auch auf andere Tierarten auswirken wird.
"Für die Artenvielfalt in einzelnen Regionen sind diese Ergebnisse katastrophal", sagte Ralf Bolz, Schmetterlingsforscher aus Bayern. Falter, die kühle Gebiete bevorzugen, wie etwa das Große Wiesenvögelchen, seien in einigen Gebieten Südwestdeutschlands bereits verschwunden. Seltene Arten wie der Hochmoorgelbling, der Natterwurz-Perlmutterfalter oder der Hochmoorbläuling seien in Deutschland bald nicht mehr zu finden.
Der Golfstrom im Nordatlantik zeigt trotz des Klimawandels bisher keine Abschwächungstendenzen. Das belegen Langzeitmessungen, die das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR in Kiel veröffentlichte. Dem warmen Golfstrom verdankt Europa sein mildes Klima. Anders als erwartet, ergaben Strömungsmessungen am Ausgang der Labradorsee zwar große Schwankungen über Zeiträume von Wochen und Monaten, aber keine dramatischen langfristigen Trends, die auf eine Abnahme der Zirkulation hindeuteten.