Groteske UmkehrreaktionWaldschutz auf Kosten anderer
Der gute Wille ist da, der Resultat ist gleich Null: Länder, die ihren eigenen Waldbestand schützen und aufforsten, importieren in der Folge mehr Holz und zerstören damit Wälder im Ausland. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der kalifornischen Stanford University.
Einige
Entwicklungsländer forsten zwar ihre Wälder auf, verursachen durch ihre steigende
Nachfrage aber anderenorts wiederum das Abholzen. Zu diesem Schluss kommen Forscher
um Eric Lambin von der Stanford University in einer Studie.
Das
Team hatte die Länder China, Chile, Indien, El Salvador, Costa Rica und Vietnam
untersucht. Dabei berechneten die Forscher den Holzverbrauch und die Nachfrage und
berücksichtigten das Bevölkerungswachstum sowie internationale Handelsströme. Die
sechs Länder haben sich im Untersuchungszeitraum von 1961 bis 2007 von "Netto-Abholzern"
zu "Netto-Aufforstern" entwickelt, berichten die Experten in den "Proceedings"
der US-Akademie der Wissenschaften.
In
fünf der sechs Staaten – Indien ist die Ausnahme – wurde die Rückkehr der Wälder
von einem Rückgang des Holzeinschlags begleitet. Zudem entstand weniger neues Farmland.
Das schuf einen Bedarf für den Import von Holz und Agrarprodukten aus anderen Regionen.
Für 100 wiederaufgeforstete Flächeneinheiten, so erklärt das Team, haben die fünf
Länder ein Holz-Äquivalent von 74 Flächeneinheiten eingeführt.
Hauptautor
Patrick Meyfroidt von der Universität im belgischen Louvain ergänzt: "Wenn
man noch die landwirtschaftlichen Exporte der Länder berücksichtigt, werden 22 Flächeneinheiten
in anderen Ländern genutzt." In den vergangenen Jahren habe sich dieses Verhältnis
weiter verschoben, ergänzt er. Inzwischen werden für 100 aufgeforstete Flächeneinheiten
etwa 52 importiert.
Wenn
der Waldschutz in einer Region zum Abholzen in anderen Gebieten führe, gebe es für
die Natur im Ganzen keinen Gewinn, erklärt Lambin. Zusammen mit seinen Kollegen
empfiehlt er eine bessere internationale Zusammenarbeit bei der Aufforstung. Da zu
gehöre es, die Handelsströme zu berücksichtigen. Dem Verbraucher würde es helfen,
wenn er sich für nachhaltig gewonnene Holzprodukte entscheiden könne – hierbei wären
Zertifikate hilfreich.