Samstag, 21. November 2009
Nutzlos und sogar schädlich bei HIV: Warum V520 nicht hilft
Der bisher am weitesten entwickelteste Impfstoff gegen den HI-Virus muss eingestellt werden. Das Präparat V520 verhindert keine Infektionen mit HIV.Im September 2007 wurden die Tests mit einem der bis dato am weitesten entwickelten Impfstoff-Kandidaten gegen HIV eingestellt. Schon die erste Analyse der Zwischenergebnisse war niederschmetternd: Das Präparat V520 verhinderte keine Infektionen mit HIV. Und bei den Infizierten verringerte es nicht die Zahl der Viren. Schlimmer noch: In einer der geimpften Gruppen hatte es 49 HIV-Infektionen gegeben – in der Placebo-Gruppe waren es 33. Eine mögliche Erklärung der Ursachen für diesen Tiefschlag liefert ein Team um Steven Patterson vom Imperial College London in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Demnach waren im Zuge der Studie besonders jene Probanden gefährdet, die bereits zuvor einmal mit Adenoviren infiziert waren.
Schnupfenvirus als Genfähre
V520 bestand aus einem verbreiteten Schnupfenvirus, das drei HIV-Gene in den Körper einschleuste und generell als harmlos gilt. Dieses Vehikel (eine sogenannte Genfähre) sollte die drei Proteine von HIV entstehen lassen und somit eine HIV-spezifische Immunantwort hervorrufen. Das Präparat wurde an HIV-negativen Probanden in den USA und Südafrika getestet, die ein erhöhtes Infektionsrisiko hatten. Im September 2007 wurde diese STEP-Studie mit 3000 Teilnehmern in den USA gestoppt. Im Oktober beendeten die Forscher auch den Phambili-Versuch in Südafrika mit 801 Teilnehmern.
Im Falle von Infektionen mit Adenoviren sind meist die Atemwege betroffen. Dort, in den Schleimhäuten, tobt dann die Schlacht der Immunzellen gegen die Erreger. Wenn der Körper gewinnt, ist er immun, sein Immunsystem behält dies im "Gedächtnis". Als nun die Genfähre aus dem entschärften Adenovirus in den Körper kam, aktivierte dieser seine Gedächtniszellen – die sich, wie erwartet, in den Schleimhäuten vermehrten.
Mehr Zielzellen für HIV
Allerdings nicht nur in jenen des Nasen-Rachen-Raums, sondern in anderen Schleimhäuten mehr, etwa im Darm. Unglücklicherweise attackiert das HI-Virus genau diese sogenannten CD4-Zellen und vermehrt sich darin. Typische Einfalltore sind die großflächigen Schleimhäute der Vagina oder des Darms bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Damit habe ausgerechnet die Impfung selbst bei vorimmunisierten Menschen dafür gesorgt, dass HIV mehr potenzielle Zielzellen für die Attacken fand, schreibt das Team in "PNAS". Begutachtet wurde die Studie von Robert Gallo, einem der Mitentdecker von HIV. Patterson und seine Helfer kommen zu dem wenig überraschenden Schluss, dass Adenoviren nur mit größter Vorsicht als Gen-Taxis für HIV-Impfstoffe eingesetzt werden sollten.
dpa
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