Donnerstag, 21. September 2006
Mehr Palliativmedizin: Weniger Angst vor dem Sterben
Ein Ausbau der Palliativmedizin kann nach Expertenansicht bei Todkranken den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe verringern. Palliativmedizin lindert das Leiden bei nicht mehr heilbaren fortgeschrittenen Erkrankungen. "Wenn Palliativmedizin bereiter zugänglich würde, könnte man flächendeckend den Menschen die Angst vor dem Sterben und möglichen Qualen nehmen", sagte Maja Falckenberg von der Hamburger Schmerzambulanz Alten Eichen auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) am Donnerstag in Hamburg. Dazu seien eine Weiterbildung von Ärzten sowie neue stationäre und ambulante Strukturen erforderlich.
Laut DGP gibt es gegenwärtig in Deutschland rund 250 stationäre Einrichtungen für Palliativversorgung, darunter sind 120 Palliativstationen und 130 stationäre Hospize. "Der geschätzte Bedarf von 50 Hospiz- und Palliativbetten je eine Million Einwohner wird erst etwa zur Hälfte gedeckt", sagte die DGP-Vizepräsidentin Claudia Bausewein. Bis zu 100.000 Menschen würden jährlich in Deutschland die Betreuung durch Palliativteams benötigen. Für die flächendeckende Palliativversorgung müssten im Jahr 600 Millionen Euro aufgewendet werden.
Die Teamarbeit ist ein Themenschwerpunkt des noch bis zum Sonnabend dauernden DGP-Kongresses. Palliative Versorgung funktioniere nur in der Zusammenarbeit von Medizin, Pflege, psychosozialer Betreuung, Spiritualität und Ehrenamt, betonte Falckenberg. Mit dem Patientenforum "Leben bis zuletzt -Brauchen wir ein Recht auf aktive Sterbehilfe?" wendet sich der Kongress auch an interessierte Laien.
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