Dienstag, 04. Mai 2010
Günstig und wirkungsvoll: "Wunderbaum" filtert Dreckwasser
Von Fabian Maysenhölder
Milliarden Menschen steht nicht genügend sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Dabei gibt es seit Jahren eine billige, einfache und effektive Methode, verunreinigtes Wasser aufzubereiten. Das Problem: Viele der Betroffenen kennen sie nicht.Obwohl rund 70 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt ist, ist brauchbares Trinkwasser knapp. Nach Angaben von UNICEF haben weit mehr als eine Milliarde Menschen kein sauberes Wasser zur Verfügung. Der WWF spricht von rund vier Milliarden Menschen, die keinen oder nur ungenügend Zugang zu Trinkwasser haben. Rund zwei Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen, die meisten davon sind Kinder unter fünf Jahren.
Michael Lea von der Organisation "Clearinghouse" weiß, wie man das Problem eindämmen könnte. Die Organisation forscht nach Technologien, die günstig und wirkungsvoll verunreinigtes Wasser zu brauchbarem Trinkwasser machen. Er beschreibt in der Fachzeitschrift "Current Protocols in Microbiology" eine Methode, wie man mit Hilfe des Meerrettichbaumes, der vor allem in den betroffenen Gebieten wie Afrika, Indien, Südostasien und Lateinamerika weit verbreitet ist, Wasser aufbereiten kann. Der Anteil an gesundheitsschädlichen Bakterien kann erheblich gesenkt werden.
Die Blüten des Meerrettichbaumes, dessen lateinischer Name "Moringa oleifera" ist.
Der kultivierte Anbau des Baumes ist inzwischen weit verbreitet, da seine Früchte viele Nährstoffe und Vitamine liefern. Zudem liefern seine Samen auch wertvolles Behenöl, das vor allem in der Kosmetikindustrie gefragt ist. Erstaunlicherweise ist der Meerrettichbaum sehr robust und wächst selbst unter schwierigsten Bedingungen.
Keine neue Methode
Für die Aufbereitung des Wassers werden die Samen zu einem sehr feinen Pulver zerrieben und mit Trinkwasser zu einer milchigen Lösung verrührt. Diese wird dann gefiltert und in den Behälter mit dem verunreinigten Wasser gegeben. Sie bindet bis zu 99 Prozent aller schädlichen Bakterien. Nach ein bis zwei Stunden haben sich die Bakterien zusammen mit den Bestandteilen der Lösung am Boden des Gefäßes als Schlamm abgesetzt. Das Wasser wird dekantiert und kann nun bedenkenlos getrunken werden.
Seit vielen Jahren ist bereits bekannt, dass die Samen des Baumes schädliche Bakterien binden und das Wasser klarer werden lassen. Bisher allerdings war dieses Wissen stark geographisch eingeschränkt. Nur in wenigen Gegenden wusste man, wie genau man das Samenpulver verwenden muss, um sauberes Wasser zu erhalten.
Der Baum sorgt nicht nur für Wasser
Leas Hoffnung ist, dass durch die Verbreitung über das Internet die Methode nun häufiger angewandt wird. Und das ist noch nicht alles. Bei der Methode, die der Forscher beschreibt, entsteht neben den reinigenden Samen auch nützliches Öl, das zum Kochen oder als Leuchtmittel verwendet werden kann. Überschüsse könnten verkauft werden. In den betroffenen Ländern kann der Baum also nicht nur zu sauberem Trinkwasser, sondern auch zu einer Besserung der Wirtschaft beitragen.
Lea betont, dass der Baum kein Allheilmittel gegen die Wasserknappheit und deren Folgen ist. Aber durch die bessere Versorgung mit sauberem Wasser in den betroffenen Gebieten könnten viele Seuchen eingedämmt werden. Vor allem für die Ärmsten der Armen ist der Meerrettichbaum so in vielerlei Hinsicht ein "Wunderbaum".
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Wissen
-
Winzige Amphibie
Leuchtend gelber Frosch entdeckt
-
Model im 21. Jahrhundert?
Sixtina wäre chancenlos
-
Fundsache, Nr. 1113
Zauber an der Höhlenwand
-
Die historische Perspektive
Nebenprodukt in Vielvölkerreichen
-
Die Migrantinnen-Perspektive
Hosgörü meint Wohlwollen
-
Die jüdische Perspektive
Unterschiede können uns stärken
-
Die philosophische Perspektive
Toleranz hielt Zivilisation am Leben
-
Die politische Perspektive
Toleranz meint auch Verständnis
-
Toleranz ist nicht das Ziel. Oder doch?
Was es heißt, tolerant zu sein
-
Zahl der Erkrankungen gestiegen
Keuchhusten ist gefährlich
-
Frage & Antwort, Nr. 227
Sind Hochbetten zu gefährlich?
-
Fukushima-Folgen
Verstrahlte Fische vor US Küste