Andromeda-Galaxie Als kosmische Kannibalin entlarvt
Die bislang detailreichste Karte der Andromeda-Galaxie entlarvt die Nachbarin unserer Milchstraße als kosmische Kannibalin: Rund um die große Spiralgalaxie erspähten Astronomen die Reste kleinerer Sterneninseln, die sich die Andromeda-Galaxie einverleibt hat.
Damit zeige sich das bislang detaillierteste Bild der Galaxienentwicklung, schreiben Alan McConnachie vom kanadischen Herzberg-Institut für Astrophysik und Kollegen im Fachjournal "Nature”.
Spuren verschluckter Galaxien
Schon länger nehmen Astronomen an, dass große Galaxien durch die Verschmelzung kleinerer entstehen – und sich dann weitere Kleingalaxien einverleiben. Erst in den vergangenen fünf Jahren konnten jedoch Spuren solcher verschluckten Galaxien nachgewiesen werden, unter anderem bei unserer Milchstraße. Es handelt sich dabei um langgestreckte Sternströme, die wie im Formationsflug die Galaxie umkreisen, wie Ko-Autor Nicolas Martin vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie erläutert.
"Astronomen haben zwar früher schon Spuren solcher Sternströme gefunden. Doch erst jetzt ist es gelungen, eine so detaillierte Karte eines Sternstromgebiets zu erstellen”, erläutert Martin. Insgesamt sechs solcher Ströme hat das internationale Projekt PAndAS (Pan-Andromeda Archaeological Survey) nun kartiert, zwei davon wurden neu entdeckt.
"Auf frischser Tat ertappt"
"Die Sternströme sind die Überreste von Zwerggalaxien, die sich die Andromeda-Galaxie einverleibt hat. Wir haben also einen galaktischen Kannibalen auf frischer Tat ertappt”, betont Martin. "Die betreffenden Sternströme werden sich im Laufe der nächsten Milliarden Jahre zerstreuen. Dann wird nichts mehr darauf hinweisen, dass diese Sterne einmal Teil einer anderen Galaxie waren.” Mit den neuen Daten wollen die Astronomen nun versuchen, die Entwicklung der Andromeda-Galaxie über die vergangenen Milliarden Jahre nachzuvollziehen.