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Keine Lösung für zu Hause Diese Corona-Tests gibt es bisher

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Immer mehr Tests auf Covid-19 werden angefragt. Der PCR-Test bleibt der sicherste.

(Foto: picture alliance/dpa)

Covid-19 setzt das deutsche Gesundheitswesen unter Stress. Labore haben bereits Probleme, Tests in großer Anzahl durchzuführen. Es gibt aber auch Firmen, die Schnelltests anbieten. Zwar liefern diese binnen Minuten Ergebnisse - aber am Ende bleiben trotzdem Zweifel.

Mit weltweit mehr als 120.000 Coronavirus-Infizierten gibt es immer mehr Menschen, die sich auf das neuartige Virus testen lassen wollen. Wer getestet wird, entscheidet in Deutschland der behandelnde Arzt mit den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI). Hält der Arzt einen Test für nötig, weil ein Patient Kontakt zu einer bereits positiv getesteten Person hatte oder aus einem der Risikogebiete zurückkehrt ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Wie wird hauptsächlich getestet?

Der Test auf das Coronavirus Sars-CoV-2 basiert auf der sogenannten Polymerasekettenreaktion (PCR). Der Test wurde von Forschern an der Berliner Charité mitentwickelt und gilt als Goldstandard für den Virusnachweis. Mit dem PCR-Test werden sogar kleinste Mengen von Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass sie erkennbar werden. Das heißt, der Test zeigt Viren auf, sogar wenn Menschen keine Symptome verspüren.

Das RKI gibt zu bedenken, dass ein negativer PCR-Test eine Sars-CoV-2-Infektion nicht ausschließt. Tests können durch kontaminierte Proben oder Transportprobleme verfälscht werden. Deshalb rät das RKI bei einem begründeten Verdacht dazu, einen weiteren Test durchzuführen. Hierfür reichen Abstriche aus der Nase meist nicht mehr aus, sondern es werden Proben unterhalb des Kehlkopfs oder aus Stuhl angeraten.

Wie schnell gibt es Ergebnisse?

Für den PCR-Test wird ein Abstrich aus Rachen und Nase entnommen und meist gibt es das Testergebnis noch am selben Tag. Die aktuelle Belastung der Labore, aber auch Transportzeiten können für Verzögerungen sorgen. Wie prekär die Lage bei den Tests aktuell ist, machte Virologe Christian Drosten (Charité Berlin) im NDR-Podcast deutlich, nachdem er auf die unterschiedlichen Fallzahlen in Italien und Deutschland angesprochen wurde. "Es ist im Moment unglaublich schwierig, ein Vielfaches von PCR-Testungen zu machen. Kein Labor kriegt das im Moment hin. Und wenn ein Laborsystem nicht von vornherein in der Breite aufgestellt ist, wie in Deutschland, dann ist es noch schwerer." Zudem teilte er auf Twitter mit, dass sich auch die Testung bald auf die besonders gefährdeten Gruppen konzentrieren müsse.

Welche Alternativen gibt es?

Firmen wie etwa PharmACT bieten Schnelltests an, die über Blutproben Ergebnisse liefern wollen. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens soll der Test ein Resultat in nur 20 Minuten produzieren. Die "Schnelltests" suchen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge aber nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern. Diese können bei einem Virusinfekt jedoch frühestens eine Woche nach dem Start einer Erkrankung entdeckt werden.

Wie sicher sind Schnelltests?

Die KBV stuft solche Blutschnelltests nicht als zuverlässig ein. Die Kosten dafür werden daher auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Überdies ist nach Expertenmeinung nicht klar, ob ein positiver Antikörpertest nicht mit einer früheren Erkrankung durch ein anderes Coronavirus zusammenhängen könnte. Somit braucht jeder "Schnelltest" ohnehin eine endgültige Abklärung durch einen PCR-Test.

Worum handelt es sich bei den "Drive-Through-Tests"?

"Drive-Through-Tests", die etwa in München angeboten werden, können mehrere Personen im kurzen zeitlichen Abstand testen. Dabei fahren die Patienten mit ihrem Auto zu einer speziellen Station, wo ihnen Abstriche durch die Fahrertür entnommen werden. Hier wird aber nicht jeder getestet, sondern nur Menschen, die vom Gesundheitsamt als Kontaktperson von bestätigten Infizierten identifiziert worden sind.

Gibt es Pläne für eine noch einfachere Testung?

Bisher gibt es laut Bundesgesundheitsministerium keine praktischere Lösung für zu Hause, ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Allerdings gibt es Vorstöße, wie von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, die zu einem Selbstabstrich rät. Die Idee soll Arztpraxen im Extremfall entlasten, wenn eine große Anzahl an Patienten gleichzeitig getestet werden muss. Dafür sollen Patienten oder Angehörige kontaktlos Teströhrchen an Arztpraxen abholen und abgeben, wie das Ärzteblatt berichtet. Ob sich dies in der Praxis umzusetzen lässt, ist noch offen, schließlich muss der Abstrich aus dem Rachen gut gelingen für ein aussagekräftiges Ergebnis.

Quelle: ntv.de, ysc