Der Tag

Der Tag98-Jähriger bricht Schweigen über mutmaßliches Kriegsverbrechen 1944

16.05.2023, 19:32 Uhr

Fast acht Jahrzehnte hat er geschwiegen, solange, bis er der letzte Augenzeuge war. Nun hat der 98 Jahre alte Franzose Edmond Réveil von einem mutmaßlichen Kriegsverbrechen berichtet, von dem bislang kaum jemand etwas wusste. Es geschah wenige Tage nach Massakern der Wehrmacht im Juni 1944 in Tulle und Oradour-sur-Glane. Allerdings waren in diesem Fall französische Widerstandskämpfer die mutmaßlichen Täter. Sie sollen 47 Wehrmachtssoldaten und eine der Kollaboration verdächtigte Französin am 12. Juni 1944 in einem Waldgebiet nahe des Dorfes Meymac im Limousin erschossen haben.

Der damals 19 Jahre alte Réveil gehörte einer Widerstandsgruppe an, die bei einem Angriff auf deutsche Soldaten in Tulle zahlreiche Gefangene gemacht hatte. Sie zogen sich mit ihnen in ein schlecht zugängliches Waldgebiet zurück. "Wir wussten nicht, was wir mit ihnen machen sollten", erinnert sich Réveil in einem Interview mit der Zeitung "La Montagne". "Wir haben den Befehl bekommen, sie zu erschießen", berichtet er. Jeder von ihnen habe einen der Deutschen töten sollen. Da niemand die Frau erschießen wollte, sei einer ausgelost worden. "Wir haben sie alle gezwungen, ihr eigenes Grab auszuheben. Dann haben wir Kalk hineingeschüttet. Es roch nach Blut", berichtet er. "Und dann haben wir nie wieder darüber gesprochen."

Der Angriff der Partisanen in Tulle hatte massive Vergeltungsaktionen durch die SS mit Hunderten Toten nach sich gezogen.

Quelle: ntv.de