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Der TagAvocados könnten "Konfliktware" wie Blutdiamanten werden

22.02.2022, 08:43 Uhr

Nicht nur für Fans von American Football oder der Halbzeit-Show ist der Super Bowl ein Höhepunkt - auch mexikanischen Avocado-Erzeugern macht er jedes Jahr Freude. Bei jeder vernünftigen Super-Bowl-Party darf die Avocado-Crème Guacamole als Dip nicht fehlen. Doch in Wirklichkeit litt der Ruf mexikanischer Avocados an dem Wochenende. Weil zwei Tage vor dem Spiel ein Inspekteur der US-Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit (Aphis) bedroht wurde, setzten die USA die Avocadoimporte aus dem südlichen Nachbarland aus. Die Frucht darf nur aus Michoacán in die USA eingeführt werden - weil dort US-Inspekteure sie auf Schädlinge überprüfen.

Michoacán ist aber auch eine der Gegenden in Mexiko, die am meisten unter der Gewalt von Drogenkartellen und anderen kriminellen Gruppen leiden. Diese Kartelle haben auch, etwa durch Schutzgelderpressung, beim Geschäft mit Avocados und anderen Erzeugnissen ihre Finger im Spiel. Kürzlich wurden Soldaten in ein Gebiet in Michoacán geschickt, in dem nach Medienberichten ein Kartell den Anbau von Limetten kontrollierte und Preise manipulierte. Trotz der kriminellen Einmischung sind Avocados - auch "grünes Gold" genannt - eines der lukrativsten Güter für mexikanische Erzeuger.

"Dass Avocados, wie auch andere an und für sich legale Märkte, gewalttätige Auseinandersetzungen und Gewalt gegen Produzenten und Exporteure antreiben, ist nichts Neues, sondern eines der Markenzeichen der Mutation der mexikanischen organisierten Kriminalität", sagt Falko Ernst, Mexiko-Experte der International Crisis Group. Die Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft warnte bereits Ende 2019, Avocados könnten, ähnlich wie sogenannte Blutdiamanten aus Afrika, die nächste "Konfliktware" werden. Die weltweite Nachfrage danach ist stark gestiegen. Das führt im größten Exportland Mexiko auch zu illegaler Abholzung.

Quelle: ntv.de