Der TagBarnier: Kanada kein Vorbild für Handelsabkommen mit Briten
Die Durchsetzung des Brexits hat bekanntlich sehr lange gedauert. Bei der aktuellen Ausarbeitung eines Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien müssen die Verhandlungspartner aufs Tempo drücken. Nur bis Ende des Jahres gilt die Übergangsphase - gibt es bis dahin keine Einigung, ist der vielfach befürchtete No-Deal-Brexit bittere Realität. Der Ernst der Lage dürfte Brüssel und London bewusst sein. Dennoch fallen die beiden Seiten momentan eher durch Querelen als durch Lösungsansätze auf.
So gibt EU-Chefunterhändler Michel Barnier derzeit nur bekannt, was für Brüssel nicht funktioniert: ein Freihandelsabkommen nach dem Vorbild des Vertrages der EU mit Kanada. Im "Spiegel" verwies Barnier laut Vorabbericht auf die räumliche Distanz. "Zwischen Großbritannien und Kanada gibt es beispielsweise den entscheidenden Unterschied, dass Kanada von Europa über 5000 Kilometer entfernt ist, Dover aber nur 42 Kilometer von Calais", sagte Barnier. "Das hat Auswirkungen, auch auf die Inhalte des Abkommens." Der Umfang des Zugangs der Briten zum Binnenmarkt der 27 EU-Staaten mit über 440 Millionen Menschen werde davon abhängen, inwieweit sie sich etwa bei Umweltschutz oder Sozialstandards auch künftig an den EU-Regeln orientierten.