Der TagBerlinale - wird doch heimlich gefeiert?
An diesem Donnerstag werden die Filmfestspiele in Berlin eröffnet. Seit Wochen wird diskutiert, wie die Berlinale trotz Pandemie aussehen kann und ob ein Präsenzfestival eine gute Idee ist: Auch die Festivalverantwortlichen haben sich diese Frage gestellt. Sie haben lange Hygienekonzepte entwickelt.
Wie also soll die Berlinale ablaufen?
Es sollen verschärfte Regeln gelten: Nur die Hälfte der Kinoplätze wird besetzt. Zutritt haben nur Menschen, die gegen das Virus geimpft oder genesen sind. Wer noch keine Auffrischimpfung hat, braucht auch einen Test. Im Kino muss man Maske tragen. Tickets gibt es nur online.
Der Eröffnungsabend soll kleiner ausfallen als üblich. Erwartet werden rund 800 Gäste und damit etwa halb so viele wie in anderen Jahren.
Partys und Empfänge soll es nicht geben. Auch nach der Eröffnung verzichtet die Berlinale auf eine große Party. Geplant sei ein "gesetztes Dinner" mit Jurys, Eröffnungsfilmteam, Politik und Festivalleitung.
Auf die Frage, wie sie verhindern wollen, dass vielleicht doch heimlich gefeiert wird, sagt die Berlinale-Geschäfstführerin Mariette Rissenbeek: "Also wir feiern nicht heimlich als Festival. Und wir haben auch all unsere Partner gebeten, das entsprechend zu handhaben. Die setzen das auch so um. Die machen vielleicht ein Abend- oder ein Mittagessen für eine kleinere Anzahl von Personen." Aber sie könnten natürlich auch nicht verhindern, dass Menschen in ein Restaurant gingen - vielleicht auch zu zwanzigst.
Einen roten Teppich soll es geben, aber einige Gesichter werden fehlen. Nick Cave wird nicht kommen können, ebenso Sigourney Weaver und Elizabeth Banks. Kommen werden Emma Thompson, Juliette Binoche, Isabelle Huppert und Charlotte Gainsbourg.
Die Lage zur An- und Abreise könne sich jeden Tag ändern und Fluggesellschaften hätten ihre Flugangebote reduziert, ein weiteres Hindernis für Teams aus aller Welt.
Wäre eine Verschiebung kompliziert gewesen? Seit drei Jahren leiten Chatrian und Rissenbeek die Berlinale. Im vergangenen Jahr hatten sie wegen der Pandemie bereits umplanen müssen. Damals hatten Fachleute im März Filme über eine Plattform online geschaut - für Menschen aus der Filmbranche gibt es diese Möglichkeit auch in diesem Jahr, für Medienleute dagegen nicht. Im Sommer waren dann Filmvorführungen fürs Publikum nachgeholt worden. Dass die Berlinale nur schwer auf einen anderen Termin ausweichen kann, liegt auch daran, dass die Filmwelt durchgetaktet ist.
"Die Berlinale ist ein wahnsinnig wichtiges Filmfestival für Deutschland, für Europa, in der ganzen Welt und von großer Bedeutung für unser Kulturleben", sagt Kulturstaatsministerin Claudia Roth. "Bei einer Absage hätten wir wichtige Filme nach Cannes und Venedig verloren, die hätten dann im Sommer auch nicht in Berlin gezeigt werden können. Dadurch hätte die kulturpolitische Bedeutung der Berlinale insgesamt gelitten."
Insgesamt 18 Filme gehen ins Rennen um den Goldenen Bären, darunter Andreas Dresens Projekt "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" und der Film "A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe" von Nicolette Krebitz.
Die Bedingungen sind mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt, so Rissenbeek. "Wenn man uns gesagt hätte: 'In einer Pandemie kann man kein Festival machen. Vergessen Sie's', dann hätten wir es natürlich nicht gemacht."