Der Tag

Der TagBrief aus Kiew von Wladimir Klitschko

13.02.2023, 11:40 Uhr

"Ich schreibe Ihnen aus Kyiv. Die Geräusche und Dramen der Welt erreichen uns trotz des Lärms der Bomben. Die gewaltige Tragödie, die die Türkei und Syrien heimgesucht hat, berührt uns. Ich denke mit Trauer an all die Opfer und mit Bewunderung an die Retter, die noch immer unter den Trümmern nach Überlebenden suchen. Kriege und Naturkatastrophen sind der Nährboden für das Schlimmste und das Beste der Menschheit.

Hier in Kyiv herrscht eine seltsame Atmosphäre. Jeder spürt und weiß, dass Russland eine neue Großoffensive vorbereitet. Die russische Führung kann es nicht ertragen, dass ihre größenwahnsinnigen Träume vom Neoimperialismus an der Mauer des ukrainischen Widerstands zerschellt sind. Russland will die Beleidigung wiedergutmachen und braucht einen starken, symbolischen Sieg. Die Kommentatoren sprechen von einer Offensive im Osten. Hier wissen wir alle, was die Truppen der Invasoren im Sinn haben, nämlich die Hauptstadt Kyiv. Es wird ihnen schwerfallen, Kyiv zu erobern (...) Die Ukraine soll von der Landkarte radiert werden. Die Ukraine hat für sie weder als Staat noch als Kultur ein Recht zu existieren.

So wird alles gerechtfertigt: Die ständigen Angriffe auf die zivilen Infrastrukturen, die Vergewaltigung von Frauen und die Deportation, Zwangsadoption und Russifizierung von Kindern. Je weiter der Krieg voranschreitet, desto größer wird der Hass. Der Patriarch von Moskau fordert nun die "Vernichtung" des ukrainischen Volkes. Die Russen begehen nicht nur abscheuliche Verbrechen, sondern sind auch noch stolz darauf. Sie baden täglich in einer übelriechenden Mischung aus Überlegenheitsgefühl, Übertreibung und Lügen. Die Russen arbeiten seit dem ersten Tag des Krieges unermüdlich daran, die Welt mit ihrer Propaganda und ihren Narrativen zu überfluten. Sie glauben, dass die westliche Bevölkerung irgendwann müde werden könnte. Das nennt man die "Mitgefühlsmüdigkeit". Ich denke, sie irren sich. (...)"

Wie der Brief weitergeht, lesen Sie später hier.

Quelle: ntv.de