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Der TagBürgermeister arbeitet nur wenige Tage - kassiert aber jahrelang

03.12.2025, 17:12 Uhr

Am 16. März wurde Alexander Kretzschmar mit 63 Prozent zum Bürgermeister von Zehdenick gewählt. Der parteilose Kandidat setzte sich in der Stichwahl gegen den AfD-Politiker René Stadtkewitz durch. Der Vorgänger Kretzschmars, Lucas Halle, war 2024 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Und auch der frisch Gewählte sollte das Rathaus der 13.000-Einwohner-Stadt in Brandenburg nicht lange mit seiner Anwesenheit beglücken. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge meldete sich Kretzschmar nur vier Tage nach seiner Amtseinführung krank und ist seitdem dienstunfähig. Ende November beschloss die Stadtverordnetenversammlung in einer außerplanmäßigen Sitzung schließlich ein Abwahlverfahren.

Doch jetzt wird es kompliziert: Weil Kretzschmar eine Sieben-Tage-Frist verstreichen ließ und nicht seinen Amtsverzicht erklärte, muss die Stadt am 25. Januar einen Bürgerentscheid abhalten. Erst dann wird entschieden, ob es Neuwahlen geben kann. Kosten des Prozedere: 13.000 bis 14.000 Euro, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf einen Stadtsprecher. Und es könnte noch teurer werden: "Bis zum Ende seiner regulären Amtszeit 2033 hat Kretzschmar als Bürgermeister grundsätzlich Anspruch auf Versorgung", wird der Stadtsprecher weiter zitiert. "Erst drei Monate volle Bezüge, dann fünf Jahre 71,75 Prozent der Endstufe seiner Besoldungsgruppe A 16." Das entspreche zurzeit 8663 Euro monatlich. Kretzschmar selbst gibt im Interview mit der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" an, seine Rückkehr ins Rathaus nach langer Krankschreibung sei noch im Dezember möglich gewesen. Das habe auch die Stadtverordnetenversammlung gewusst, aber nicht in der Abwahl-Sitzung berücksichtigt. Ein freiwilliger Verzicht auf sein Amt kommt für den 47-jährigen ehemaligen Polizisten nach eigenen Angaben nicht infrage.

Quelle: ntv.de