Der TagDJs spielen "falsches" Lied ab und müssen dafür in Haft
Drei Tage vor der Präsidentenwahl im autoritär regierten Belarus wurde gestern eine Großkundgebung der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja kurzfristig verboten. Die Behörden begründeten die Absage mit einer Reihe von spontan organisierten "Festen", die zufälligerweise ausgerechnet auf allen sechs Plätzen in Minsk stattfinden, auf denen Wahlkampfveranstaltungen überhaupt erlaubt sind.
Tausende Regimegegner kamen daraufhin aus Protest zu einem dieser "Feste". Zwei Tontechniker, die das Event eigentlich mit "regierungsfreundlichen" Musik versorgen mussten, sorgten für einen Zwischenfall: Die jungen Männer spielten plötzlich das Lied "Peremen" (Veränderungen) der Rockband "Kino" aus den 1980er Jahren ab. Der Song wird im russischsprachigen Raum oft bei Protesten gesungen.
Dafür erhielten die beiden tosenden Applaus aus der Menge. Auf Videos war zu sehen, wie Beamte verzweifelt versuchten, die Stecker aus den Lautsprechern herauszuziehen.
"Ich glaube, wir haben gerade unseren Job verloren", sagte einer der DJs den Journalisten. Nach der Veranstaltung wurden die jungen Männer festgenommen und heute zu zehn Tagen Haft verurteilt. Mit ihrer Aktion sollen sie die öffentliche Ordnung gestört haben, hieß es.
Ebenfalls zu zehn Tagen Haft wegen angeblichen "Rowdytums" wurde heute ein Journalist der "Deutschen Welle" verurteilt. Dies könne nur als "fadenscheiniger Vorwand" interpretiert werden, um eine kritische Berichterstattung im Vorfeld der Wahl an diesem Sonntag zu verhindern, schrieb daraufhin DW-Intendant Peter Limbourg in einem Protestbrief an den Botschafter von Belarus in Berlin.