Der TagDas "Pali-Tuch" - bloß ein Stück Stoff?
Die Antwort lautet schlicht: "Nein." Oder: "Kommt drauf an, was du damit auf welcher Demo ausdrücken willst." Die These, vielen sei gar nicht klar, was das "Palästinensertuch" wirklich bedeutet, wird auf jeden Fall langsam ein bisschen dünn. Dieses Tuch ist bei Weitem mehr als ein Stück Stoff, es ist ein Symbol des palästinensischen Widerstands, wird in Europa von Teilen der Linken als Zeichen der Solidarität mit Palästina getragen, ist aber auch ein antijüdisches Symbol auf rechten Demos. Es ist beileibe kein harmloses Mode-Accessoire mehr, bloß weil Designer immer wieder versucht haben, es zu entpolitisieren. Es kann als Befürwortung des Angriffs oder sogar als Unterstützung der Hamas verstanden werden. Berliner Schulen diskutieren immer wieder über ein Verbot der Tücher auf dem Schulhof.
Populär wurde die "Kufiya", wie das Tuch im Original heißt, in linksextremen Kreisen ab 1969 vor allem durch Jassir Arafat. Der Friedensnobelpreisträger pflegte die Kufiya so um seinen Kopf zu wickeln, dass sie von oben betrachtet an die früheren Ländergrenzen von Palästina erinnert und legte den Rest des Tuches gern so über seine Schulter, dass es die "From the River to the Sea"-Symbolik ermöglichte. Charlotte Knobloch, die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, hatte deswegen 2011 in einem öffentlichen Brief an den ehemaligen Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner Kritik geäußert. Dieser hatte in der Öffentlichkeit das Palästinensertuch getragen. Knobloch wies in dem Brief darauf hin, dass das Tuch für eine "nationale und antijüdische Gesinnung" stehe.