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Der TagEdgar Selge: "Nicht jeder Mensch hält dem Druck stand"

05.11.2024, 07:44 Uhr
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Selge und Wedler in "Marianengraben", von Eileen Byrne inszeniert, nach dem Bestseller von Jasmin Schreiber. (Foto: dpa)

Der Schauspieler und Schriftsteller Edgar Selge wünscht sich mehr Verständnis für Menschen mit psychischen Problemen. Der 76-Jährige engagiert sich seit Langem gemeinsam mit seiner Frau Franziska Walser für die Organisation "Basta - Das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen". In seinem neuen Film spielt er einen Witwer. Der begibt sich spontan mit einem jungen Mädchen (Luna Wedler), das schwer aus einer depressiven Episode herausfindet, auf einen Roadtrip nach Italien. Sie hat ihren Bruder verloren, er in früheren Jahren einen Sohn. Beide plagen Schuldgefühle. Der Film startet am Donnerstag in den Kinos.

Selge kann sich mit dem Thema identifizieren: "Wir gehen in unserem Beruf (...) ja fast ausschließlich mit Figuren um, die Grenzsituationen erleben. Da ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich dafür einsetze, dass seelische Grenzgänger in unserer Gemeinschaft gleichberechtigt akzeptiert werden. Wir sollten begreifen, dass solche Menschen empfindlicher sind als wir", sagt Selge. Gleichzeitig seien sie aber damit auch Seismografen für die Bedrohung durch eine Leistungsgesellschaft, die mit ihrer Ellbogenmentalität dem Leben den Gemeinsinn austreibe. "Nicht jeder Mensch hält dem Druck stand, den wir täglich aushalten müssen. Insofern ist unsere Welt ohne die Beteiligung psychisch hochempfindlicher Menschen nicht vollständig, sondern selbst krank."

Quelle: ntv.de