Der TagEine bunte Ampel macht noch keinen diversen Bundestag
Rot, grün, gelb: So bunt wie die Ampel-Koalition war noch keine Regierung auf Bundesebene. Doch eine wirklich bunte Regierungsmannschaft haben die drei Parteien nicht aufgestellt. Hoffnungen auf ein vielfältiges Kabinett, das die gesamte Breite der Gesellschaft widerspiegelt, blieben unerfüllt. Die SPD stellt Kanzler Olaf Scholz, Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt, Gesundheitsminister Karl Lauterbach, Arbeitsminister Hubertus Heil - allesamt westdeutsche Männer. Hinzu kommen westdeutsche Frauen: Nancy Faeser im Innen- und Christine Lambrecht im Verteidigungsministerium sowie Svenja Schulze im Entwicklungsressort. Einzige ostdeutsche Sozialdemokratin im Kabinett wird Bauministerin Klara Geywitz sein.
Die Grünen gehen in Sachen Diversität in der neuen Regierung voran: Sie nominierten Cem Özdemir, Sohn türkischer Einwanderer, als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Annalena Baerbock übernimmt das Außenministerium. Mit der designierten Familienministerin Anne Spiegel und der aus Sachsen-Anhalt stammenden Steffi Lemke schickt die Partei zwei weitere Frauen ins Kabinett. Das formal mächtigste Amt für die Grünen übernimmt aber Robert Habeck als Vizekanzler sowie Wirtschafts- und Klimaminister.
Deutlich weniger vielfältig ist die rein westdeutsche Ministerriege der FDP, die auch nur einen ihrer vier Kabinettsposten an eine Frau vergeben hat. Parteichef Christian Lindner übernimmt das Finanzressort, Volker Wissing wird Verkehrsminister, Marco Buschmann Justizminister. Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft führt Bettina Stark-Watzinger. Scholz hatte das Ziel ausgegeben, sein Kabinett mit ebenso vielen Ministerinnen wie Ministern zu besetzen. Das traf bei der FDP zwar auf wenig Gegenliebe, dennoch erfüllt die "Ampel" nun die Vorgabe, jedenfalls wenn Scholz selbst nicht mitgezählt wird: An der Seite des künftigen Kanzlers werden acht Ministerinnen und acht Minister am Kabinettstisch sitzen. Die Hälfte der Ministerien mit Frauen besetzt, ein Kabinettsmitglied mit Migrationshintergrund, zwei Ostdeutsche - das ist die erste Diversitätsbilanz der "Ampel".