Der TagExperten kritisieren Vereinnahmung Bonhoeffers durch amerikanische Rechte

Kurz vor dem 80. Todestag Dietrich Bonhoeffers haben Experten sich besorgt gezeigt über die Vereinnahmung des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers durch extreme Kräfte. US-amerikanische Rechtspopulisten aus Teilen des evangelikalen Milieus, die zugleich entschiedene Unterstützer von Präsident Donald Trump seien, "haben Bonhoeffer für ihre politischen Ziele gekapert", sagte Heinrich Bedford-Strohm, früherer Chef des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Da wird der gewaltsame Sturm aufs Kapitol mit Bonhoeffers Gedanken zum Widerstand gegen Hitlers Unrechtsregime gerechtfertigt. Das ist völlig absurd."
Der Chef der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in der Oberpfalz, Jörg Skriebeleit, sagte: "In den USA wurde Bonhoeffer, vor allem durch die Biografie von Eric Metaxas, zugerichtet und umgedeutet als Opponent gegen das Böse." Und das Böse sei aus evangelikaler Sicht eine liberale Politik, was unter "Wokeness" zusammengefasst werde. Auch Bonhoeffers USA-Aufenthalt passe nicht in dieses verzerrte Bild: Er sei damals zum Beispiel in Harlem gewesen, habe sich bewusst mit People of color und deren Situation beschäftigt.
Bonhoeffer, 1906 in Breslau geboren, war ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Am 9. April 1945, kurz vor Kriegsende, wurde er im KZ Flossenbürg in Ostbayern ermordet.