Der TagFrauen in Cannes werden noch immer anders bewertet

Als erste Frau an der Spitze der Filmfestspiele von Cannes wird es Iris Knobloch ihrer Ansicht nach in mancher Hinsicht anders ergehen als den männlichen Vorgängern. "Ich glaube, eine Frau zu sein, bringt eine weitere Ebene mit rein", sagt Knobloch. "Denn ich glaube, als Frauen werden wir stärker unter die Lupe genommen. Niemand wird kommentieren, welchen Smoking der Präsident trägt. Ich bin mir sicher, ich werde viele Kommentare bekommen", so die Präsidentin der Jury. Was leider stimmt und sich nicht nur auf ihre Kleiderwahl, sondern auch auf die Tatsache, dass sie eine Deutsche ist, bezieht.
Knobloch hat das Amt seit vergangenem Juli inne, sie ist die erste Frau und die erste nicht-französische Person in diesem Amt. Die 60-Jährige arbeitete zuvor lange Zeit als Top-Managerin des Hollywood-Konzerns Warner. Sie habe in ihrer Karriere die Erfahrung gemacht, dass es eine Tendenz gebe, Frauen anders zu bewerten als Männer, so Knobloch. Sie sehe in ihrer Rolle als erste Frau an der Spitze des Festivals eine Chance. Dieses Jahr finden sich mehr Regisseurinnen als je zuvor im Wettbewerb. Festivalleiter Frémaux ergänzt: "Die Leute gratulieren mir, weil wir sieben Frauen im Wettbewerb haben. Aber ich weigere mich, dafür Lob anzunehmen."