Der Tag Großbritannien bröckelt

In Nordirland erhält erstmals eine Partei die meisten Stimmen, die eine Wiedervereinigung mit Irland anstrebt. In Schottland haben Unabhängigkeitsbefürworter Oberwasser, und auch immer weniger Waliser fühlen sich als Briten. "Es wächst das Gefühl, dass das Vereinigte Königreich in seinem derzeitigen Zustand die Bedürfnisse von Schottland, Wales, Nordirland oder vielleicht sogar England nicht angemessen erfüllt", so Nicola Sturgeon, schottische Regierungschefin und Galionsfigur der schottischen Unabhängigkeitsbewegung. Tatsächlich folgen die jüngsten Abstimmungen im Vereinigten Königreich der Tendenz, dass sich immer mehr Menschen von London abwenden. Wird Großbritannien zu Kleinengland?
Beispiel Nordirland: Erstmals stellt mit Sinn Fein eine Partei die meisten Abgeordneten, deren erklärtes Ziel die Wiedervereinigung mit dem EU-Mitglied Republik Irland ist. Beispiel Schottland: Die Schottische Nationalpartei (SNP) konnte bei der Kommunalwahl die Zahl ihrer Sitze erneut ausbauen, auch in Unionsbastionen. Für Ende 2023 peilt Sturgeon ein Unabhängigkeitsreferendum an. Bleibt Wales: Im Gegensatz zu Nordirland und Schottland stimmte hier eine Mehrheit 2016 für den Brexit. Doch die Umsetzung hat viele abgeschreckt. Unterstützten 2014 nur 5 Prozent eine Unabhängigkeit, sind es derzeit bis zu 30 Prozent. Immer mehr Menschen identifizieren sich zudem als Waliser, die Zahl derer, die sich als Briten und Waliser sehen, sank indes von 27 auf 19 Prozent.
Es sei deutlich geworden, dass der Brexit ein nationales Projekt sei, um ein bestimmtes Verständnis der Vergangenheit einer Nation sowie einer möglichen Zukunft zu verankern und voranzutreiben, sprich: Der Brexit ist vor allem eine englische Angelegenheit.