Der TagGruppenvergewaltigung löst Aufschrei der Empörung in Indien aus
Der Fall löste landesweit einen neuen Aufschrei der Empörung über die wachsende sexuell motivierte Gewalt gegen Frauen in Indien aus und darüber, dass dieses seit Jahrzehnten grassierende Problem anscheinend nicht entschlossen genug angegangen wird. Ein spanisches Ehepaar auf Weltreise wird im Osten Indiens nachts im Zelt überfallen: Die 28-jährige Frau berichtet, wie sie vor den Augen ihres Mannes von sieben Männern vergewaltigt wurde. Die Behörden nehmen drei Verdächtige fest. Nach weiteren wird gefahndet. Inzwischen hat die spanisch-brasilianische Touristin eine Entschädigung von einer Million Rupien (gut 11.000 Euro) von der örtlichen Polizei erhalten. Ob das die erlittene Qual aufwiegen kann, ist zu bezweifeln. Laut Gesetz in Indien steht es ihr zu.
Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist ein Problem, das seit Jahrzehnten in Indien grassiert. Frauenrechtlerinnen klagen, dass Polizei und Regierung noch immer nicht genug dagegen tun. Sie sehen sich durch den neuen schlimmen Fall bestätigt. Berichte über entsetzliche Angriffe auf Frauen sind im Land praktisch eine Gewohnheit geworden. So hat die Polizei 2022 31.516 Vergewaltigungsfälle registriert, ein 20-prozentiger Anstieg im Vergleich zum Jahr davor, wie die indische Kriminalstatistikbehörde berichtet. Und es wird angenommen, dass die wirkliche Zahl noch weitaus höher liegt, weil vermutlich viele Opfer schweigen - wegen des Stigmas, das sexuelle Gewalt umgibt, und mangelnden Vertrauens in die Polizei.
Das Problem sexueller Gewalt steht in Indien seit der Gruppenvergewaltigung und Tötung einer 23-jährigen Studentin in einem Bus in Neu Delhi 2012 im Rampenlicht. Die Attacke löste massive Proteste aus und später dann die Schaffung von Gerichten, die sich im Schnellverfahren mit Fällen von Sexualstraftaten beschäftigen. Auch wurden Strafgesetze verschärft, und das Alter, ab dem mutmaßlichen Sexualtätern der Prozess nach dem Erwachsenen-Strafrecht gemacht werden kann, ist von 18 auf 16 Jahre gesenkt worden. Doch diese Schritte, so sagen Aktivisten, reichten nicht aus. Sie werfen der Regierung vor, Frauen nicht genug zu schützen und Täter nicht ausreichend zur Rechenschaft zu ziehen.