Der Tag H&M-Stellenabbau - sollen Mütter, Langzeiterkrankte und Schwerbehinderte gehen?

"Frauen und Kinder zuerst" - so lautet ein alter Verhaltenskodex, der besagt, dass Frauen und Kinder als erstes aus gefährlichen Situationen gerettet werden sollen, etwa von einem sinkenden Schiff. Das schwedische Modehaus H&M hat den Grundsatz wohl etwas ins Gegenteil gekehrt, denn dort heißt es jetzt offenbar: "Eltern mit Kindern zuerst." Dabei sollen Beschäftigte mit jungen Familien als erstes beim geplanten Stellenabbau über die sprichwörtliche "Planke" gehen. Das Unternehmen steht massiv in der Kritik für sein "Freiwilligenprogramm". Sich "nur nach Außen familienfreundlich zu geben, im Inneren aber Mütter und Eltern mit Kindern aus dem Unternehmen zu drängen, passt nicht zusammen", sagte die SPD-Fraktionsvize Katja Mast.
"Ich habe in den letzten Tagen Gespräche geführt - aus unterschiedlichen Quellen wurden mir die Kündigungspläne bestätigt. Die gewählten Kriterien für das sogenannte 'Freiwilligenprogramm' sind eindeutig", kritisierte Mast. Mehrere Medien hatten darüber berichtet. Nach Recherchen von "Business Insider" sollen neben jungen Müttern auch langzeiterkrankte und "schwerbehinderte" Mitarbeiter im Fokus stehen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. H&M hatte am Dienstag angekündigt, in Deutschland rund 800 Stellen zu streichen, etwa fünf Prozent aller Beschäftigten des Unternehmens in der Bundesrepublik.