Der Tag

Der TagIndustrie-Chef will einen Feiertag abschaffen - für die Wirtschaft

14.07.2025, 08:02 Uhr
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DIHK-Chef Peter Adrian (Foto: picture alliance/dpa)

Nicht nur mit Regenbogen-Fahnen und Zirkuszelten fremdelt Kanzler Friedrich Merz bekanntlich. Auch Begriffe wie "Work-Life-Balance" oder die Vier-Tage-Woche gehören wohl nicht zum liebsten Vokabular des Bundeskanzlers. In seiner ersten Regierungserklärung hatte der CDU-Politiker eine Debatte über die Arbeitszeit in Deutschland angestoßen und davon gesprochen, dass die Deutschen "wieder mehr und vor allem effizienter" arbeiten müssten. Der als Millionär definitiv nicht zur Mittelschicht gehörende Kanzler Merz - auch nicht zur gehobenen Mittelschicht, wie er 2018 mal in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung behauptete - lebt vermutlich eher ein Leben weit entfernt von den Alltagssorgen des gemeinen Bürgers in Deutschland. Zuletzt ging es in der Debatte um die Erhöhung der Arbeitszeit, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Da sei Deutschland laut einer Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bei den Schlusslichtern im EU-Vergleich. In das gleiche Horn blies am Wochenende auch Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), was ich zum Wochenstart nochmal aufgreifen möchte: "Unsere Arbeitsproduktivität stagniert. Im OECD-Vergleich arbeiten Beschäftigte in Deutschland im Schnitt 1350 Stunden im Jahr – der Durchschnitt liegt bei 1750. Das ist ein Delta von 400 Stunden. Da müssen wir ran", sagte Peter Adrian der "Bild am Sonntag". Die Lösung? Adrian spricht sich dafür aus, den Pfingstmontag als Feiertag zu streichen. Der Industrie-Chef spricht im gleichen Interview jedoch einen aus meiner Sicht viel wichtigeren Punkt an: "Wichtig wäre, dass mehr Menschen Vollzeit arbeiten können - gerade Frauen", sagte er.

Fakt ist: Es könnten viel mehr Menschen sehr viel mehr arbeiten - wenn denn für die Betreuung ihrer Kinder von der Krippe bis zum Teenageralter zuverlässig gesorgt wäre. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, lehnt die Abschaffung eines Feiertags ab und betonte jüngst, dass der Arbeitskräftemangel nicht durch weniger Feiertage gelöst werde, sondern durch mehr Zuwanderung und den Abbau von Hürden für die Erwerbstätigkeit von Frauen und Geflüchteten. Es schlummert also noch einiges an Potenzial für unsere Wirtschaft an ganz anderen Stellen, bevor man rückschrittlich wie zu Zeiten der Industrialisierung über einen 8-Stunden-Tag verhandeln muss.

Quelle: ntv.de