Der Tag

Der TagIst Putin wie Hitler?

25.03.2022, 09:44 Uhr

Nazi-Vergleiche gehen immer nach hinten los. Das ist eine Grundregel des politischen Betriebs. Und doch wird immer wieder dagegen verstoßen. 2014 ließ sich sogar einer der erfahrensten deutschen Politiker, der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, zu einem solchen Vergleich hinreißen. Mit Blick auf die von Russlands Präsident Wladimir Putin verfügte Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim sagte der CDU-Politiker: "Mit solchen Methoden hat schon der Hitler das Sudetenland übernommen - und vieles andere mehr."

Ähnliche Äußerungen kamen damals unter anderem von der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton und vom britischen Thronfolger Prinz Charles. Vier Jahre später erregte Boris Johnson, damals noch Außenminister, Aufregung mit der Bemerkung, Putin werde die kommende Fußball-WM in Russland zu nutzen verstehen wie Adolf Hitler die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sind solche Vergleiche nun immer häufiger zu hören. Putin sei ja fast wie Hitler, heißt es dann. Ist da etwas dran?

Unter Historikern herrscht Einigkeit darüber, dass eine Gleichsetzung von Putin und Hitler absolut unzulässig ist. Hitler war der Hauptverantwortliche für das in seiner radikalen Verdichtung und zielstrebigen Organisation beispiellose Menschheitsverbrechen der Shoah. Sechs Millionen europäische Juden wurden binnen drei Jahren ermordet. Zudem hat Hitler den Zweiten Weltkrieg mit mindestens 60 Millionen Toten vom Zaun gebrochen. Aber: "Vergleichen heißt nicht gleichsetzen", wie es der Historiker Heinrich August Winkler in einem Beitrag für die "Zeit" mit dem Titel "Was Putin mit Hitler verbindet" klargestellt hat. Vergleichen bedeutet in der historischen Forschung immer auch, Unterschiede herauszuarbeiten. Wenn das geschieht, handelt es sich um eine anerkannte wissenschaftliche Methode. Es ist zwar äußerst schwierig, irgendwelche konkreten Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Aber im besten Fall können durch einen solchen Vergleich doch gewisse Muster erkennbar werden, die bei der Beurteilung aktueller Geschehnisse helfen.

Quelle: ntv.de