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Der TagKatja Riemann: Ihr Buch über Zäune, Flucht und Mut sollte Schullektüre werden

19.03.2024, 11:22 Uhr

Katja Riemann hat ein Buch geschrieben, es heißt "Zeit der Zäune". Mutig hat sie sich auf den Weg gemacht und mit denen gesprochen, die auf der Flucht sind, waren oder bleiben. Mit denen, die "im Interim" sind, in einem vagen Zustand voller Hoffnung und Zweifel, die einen Hausschlüssel in der Tasche haben von einem fernen Zuhause, das sie, mit großer Wahrscheinlichkeit, nie wieder sehen werden. Auszug aus einem Interview, das Sie, liebe Lesende, später in Gänze auf der Seite lesen können:

  • Katja Riemann: Ich glaube, dass die Ankunft das Schwerste ist, denn solange man im Interim, quasi auf der Wanderung ist, mit all seinen Herausforderungen und Gefährlichkeiten, und doch mit einem Ziel im Kopf, bewegt sich ja etwas, da kann dann immer noch was kommen. Die vermutlich unerwarteten Herausforderungen bei der Ankunft durch Sprache, andere Kultur, durch Ausgrenzung, Anfeindung, Administration und Verlorenheit, der Stillstand, der entsteht, wenn nicht erlaubt wird, sofort loszuarbeiten (...) das ist äußerst belastend. "I just want to work" oder "I want to learn", das waren Sätze, die ich sehr oft hörte."

  • "Das Buch ist meiner Tochter gewidmet, weil unsere Kinder die Zukunft zu ihrer Gegenwart machen werden. Ich muss meiner Tochter aber nichts erklären, sie ist eine erwachsene, kluge Frau und Künstlerin, und die einzige Person, die mich wiederholte Male auf meinen Reisen begleitet hat, obwohl so viele Leute fragten: "Nimmst du mich mal mit?"

  • "Die Liebe hilft uns allen, würde ich denken. Manchmal muss man sich für sie entscheiden, irgendwie gerät sie uns oft aus dem Blickwinkel. Warum eigentlich?

  • "Ich bin keine Abenteurerin, auch wenn Freundinnen das über mich sagen würden. (...) Ich suche nicht die Gefahr, ich gehe auf Reisen, ohne Erwartungshaltung. Das Auswärtige Amt rät einem übrigens auf seiner Seite so ziemlich von allen Reisen ab. Mutig, glaube ich, ist man, wenn man etwas macht, obwohl man davor Muffe hat. Ich mache andauernd Sachen, vor denen ich Angst habe. Unter anderem, die Wohnung zu verlassen, um mal damit anzufangen.

Quelle: ntv.de