Der Tag

Der TagMehr Menschen suchen Rat wegen Rassismus

17.02.2023, 16:22 Uhr

Nach Einschätzung von Experten hat die Zahl der Menschen, die nach rassistischen Vorfällen Rat suchen, bundesweit in den vergangenen zwei bis drei Jahren spürbar zugenommen. Das dürfte auch daran liegen, dass solche Vorfälle, von denen sehr viele Menschen betroffen seien, mittlerweile klarer gesehen und benannt würden, sagte Reiner Becker, Leiter des an der Philipps-Universität Marburg angesiedelten Demokratiezentrums Hessen.

Für Becker steht das auch im Zusammenhang mit der Aufarbeitung und Debatte über Taten wie den rassistischen Anschlag in Hanau, der sich an diesem Sonntag (19. Februar) zum dritten Mal jährt. "Diesen Morden liegen Einstellungen und Vorurteile zugrunde, die weit verbreitet und nicht abstrakt sind", sagte Becker. Umso wichtiger sei die Arbeit, die Initiativen nicht nur in Hanau, sondern auch bundesweit leisteten, um auf das Thema aufmerksam zu machen. "Die Initiativen sind der Stachel im Fleisch. Wir leben in einer Gesellschaft, die diesen Stachel braucht", sagte Becker. Im Kampf gegen Rechtsextremismus sieht Becker auch gewisse Fortschritte - beispielsweise durch die Umsetzung von Maßnahmen aus dem noch vom damaligen Kabinett im Jahr 2020 beschlossenen 89-Punkte-Plan gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Dazu gehöre die Ertüchtigung der Sicherheitsbehörden oder die Förderung und den Ausbau von Projekten, sagte der Experte. "Wir werden aber mit Programmen das Problem alleine nicht bewältigen können." Das zeige sich etwa am Phänomen der "Reichsbürger", aber auch an diffuseren Strömungen, die sich zuletzt während der Corona-Pandemie entwickelt hätten.

Schluss-mit-Rassismus-und-rechtem-Terror-Mit-dieser-Botschaft-und-den-Bildern-der-Menschen-die-bei-dem-rassistischen-Anschlag-in-Hanau-ermordet-wurden-wird-ihnen-in-Berlin-gedacht
"Schluss mit Rassismus und rechtem Terror!": Mit dieser Botschaft und den Bildern der Menschen, die bei dem rassistischen Anschlag in Hanau ermordet wurden, wird ihnen in Berlin gedacht. (Foto: picture alliance/dpa)

Quelle: ntv.de