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Der TagMerkwürdiger Ansatz, aber: Intelligente Waffen sollen Leben retten

20.01.2022, 06:16 Uhr

Die Gefahr durch Schusswaffen ist in den vergangenen Jahren in den USA stark gestiegen. In der Pandemie und im Zuge der Massenproteste gegen rassistische Polizeigewalt stieg der Waffenverkauf. 2020 erreichte die Zahl der verkauften Waffen mit 23 Millionen Stück einen Rekord, mehr als 40.000 Menschen starben vergangenes Jahr in den USA durch Schusswaffen. Intelligente Waffen, die nur in der Hand ihres Besitzers funktionieren, hätten einige dieser Tode verhindern können, behaupten die Entwickler der sogenannten Smart Guns. Die Waffen sollen noch in diesem Jahr auf den US-Markt kommen. Doch der Nutzen der neuen Technologie ist in den Vereinigten Staaten umstritten.

Die Firma Smartgunz verwendet RFID-Chips, wie sie beispielsweise in Schließanlagen zum Einsatz kommen, um ihre Waffen zu personalisieren. Der kleine Sender ist in einen Fingerring eingebaut. Greift die Hand mit dem Ring zur Pistole, wird ein Sicherheitsmechanismus entriegelt, und der Schütze kann feuern. Eltern könnten damit verhindern, dass Kinder mit ihrer Waffe Unheil anrichten, sagt Firmenchef Tom Holland.

Einen weiteren Einsatzbereich sieht er bei der Polizei: Entwendet ein Krimineller einem Beamten die Pistole, kann er damit nicht schießen. In einigen Polizeibehörden wird die personalisierte Pistole bereits getestet. Spätestens ab Mai könnten auch Zivilisten sie kaufen, so Holland. Der Fall der intelligenten Pistole der deutschen Firma Armatix nährte allerdings Zweifel am Nutzen der Technologie: Ein Hacker demonstrierte 2017, dass sich der Sicherheitsmechanismus ganz einfach mit einem Magneten austricksen lässt. Auch funktionierende personalisierte Waffen können noch immer töten, betont Daniel Webster, der an der Johns Hopkins Universität zu Waffen forscht. "Die ganze Diskussion um Smart Guns ignoriert die häufigste Art und Weise, wie Waffen in den USA zum Töten verwendet werden: Suizid durch denjenigen, der die Waffe gekauft hat", sagt der Wissenschaftler.

Quelle: ntv.de