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Der TagNeues vom Stadtbild: Toter Einzelhandel macht unsexy

11.11.2025, 21:45 Uhr

Die Facette in der durch Kanzler Merz entfachten "Stadtbild"-Debatte ist kaum beleuchtet worden, aber wesentlicher Bestandteil: Das Sterben des Einzelhandels und damit wahlweise die Leere oder die Austauschbarkeit von Innenstädten. Die Diskussion wird allerdings schon seit mindestens 10 bis 15 Jahren geführt. Nun aber wird es ernsthaft existenziell, sagt der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Alexander von Preen, der "Welt".

"Aktuell sehen wir einen Kampf um jeden Kunden und um jedes neue Jahr oder sogar jeden neuen Monat", erklärt er. Vor allem die kleinen, inhaber- und familiengeführten Geschäfte ohne große Organisation im Hintergrund hätten stark zu kämpfen. Der Umsatzanteil von kleinen Läden und Boutiquen, sank laut HDE auf elf Prozent. Vor 15 Jahren habe diese Quote noch bei 22 Prozent gelegen. Betroffen vom Ladensterben seien praktisch alle Formate - Mode, Spielzeug oder Haushalts- und Eisenwaren, aber auch Lebensmittel. Die Vielfalt gehe verloren und damit "die Möglichkeiten, sich inspirieren zu lassen". Wenn es nur noch die großen Ketten und die Flagship-Stores einzelner Marken gibt, "wird es unsexy". Dann verlören die Städte an Attraktivität.

Als Gründe für den Strukturwandel nannte von Preen stark gestiegene Kosten für Mieten, Energie und Personal, mangelnde Frequenzen in den Innenstädten, aber auch die Schnäppchenmentalität der Verbraucher. "Jeder ist nur noch auf der Suche nach Rabatten - und hinterher wird dann geklagt, dass die kleinen Läden verschwinden." Großes externes Problem bleibt der Onlinehandel, der seit Jahren stationären Geschäften Kundschaft abjagt. Es ist eben nicht nur Geiz geil, sondern auch Bequemlichkeit.

Quelle: ntv.de