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Der TagOnline-Archiv in Den Haag enthüllt Namen Hunderttausender Nazi-Kollaborateure

28.03.2025, 06:44 Uhr
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Wer Genaueres wissen will, muss persönlich im Nationalarchiv in Den Haag vorbeikommen. (Foto: picture alliance / ANP)

Mitläufer oder im Widerstand - auf welcher Seite der Geschichte standen die eigenen Großeltern und andere Verwandte in der NS-Zeit? Auf der der Nazis will irgendwie keiner gestanden haben und doch brauchte Adolf Hitler genau diesen Rückhalt in der Bevölkerung, um seine mörderischen Pläne in die Tat umzusetzen und Millionen Menschen umzubringen. Antworten liefert nun das Nationalarchiv in Den Haag. Dort kann man ab sofort eine Liste einsehen, wer in den Niederlanden mit den Nazis kollaboriert haben soll. Auf dieser stehen die Namen von 425.000 Verdächtigen, gegen die nach 1945 ermittelt worden ist. "Ich denke, es ist eine sehr gute Sache", sagt die Autorin Stephanie Biesheuvel, die ein Buch über die Nazi-Vergangenheit ihrer Familie geschrieben hat. "Wir können uns beim Blick auf unsere Geschichte nicht nur auf die Erzählungen vom Widerstand beschränken." Ende 2024 lief ein Gesetz aus, das den Zugang zu solchen Dokumenten beschränkte. Das Nationalarchiv und mehrere Organisationen beschlossen daraufhin, die Informationen über das Internet bis 2027 für alle zugänglich zu machen.

Das Projekt heißt "Oorlog voor de Rechter" (Der Krieg vor Gericht) und ist online verfügbar. Die zu den Namen gehörenden Akten können jedoch nur persönlich in Den Haag eingesehen werden, da die niederländische Datenschutzbehörde vorerst verbot, die kompletten Dokumente ins Internet zu stellen. Der Andrang ist riesig: Seit Januar strömen Nachkommen von Tätern in Massen in das Archiv in Den Haag, um die Ermittlungsakten einzusehen.

Quelle: ntv.de