Der TagOskar geht

Im Saarland hat alles angefangen. Und an der Saar geht es zu Ende: Nach mehr als fünf Jahrzehnten beendet Oskar Lafontaine seine politische Karriere. Seiner linken Politik ist er treu geblieben, auch wenn es weh tat. Mit der Landtagswahl am 27. März im Saarland, bei der er nicht mehr antritt, endet für den Noch-Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im saarländischen Landtag ein langer politischer Weg voller Höhen und Tiefen. Oskar, wie er im Saarland kurz und bündig heißt, war fast alles, was man in einem politischen Leben in Deutschland werden kann: Oberbürgermeister von Saarbrücken, SPD-Landesvorsitzender, Ministerpräsident des Saarlandes (1985-1998), SPD-Kanzlerkandidat im Jahr 1990, SPD-Bundesvorsitzender, Bundesfinanzminister, Mitgründer der Linkspartei und deren Partei- und Fraktionsvorsitzender im Bundestag.
"Ich war 13 Mal Spitzenkandidat bei Wahlen. Ich glaube, so viele gibt es nicht, die so oft an der Spitze von Wahlkämpfen gestanden haben. Ich habe meinen Beitrag zur res publica geleistet", sagt Lafontaine. Seit 2009 hat er die Linksfraktion im Saar-Landtag geführt. Der Ausbau des Sozialstaats und eine friedliche Außenpolitik seien immer seine zentrale Anliegen gewesen.
Wenn der 78-Jährige über "außergewöhnliche Ereignisse, die mein politisches Leben geprägt haben" spricht, dann auch über den 11. März 1999. Da erklärte Lafontaine völlig überraschend seinen Rücktritt vom SPD-Bundesvorsitz und vom Amt des Bundesfinanzministers. Die SPD bebte. War der Bruch mit der SPD ein Fehler? Er könne diese Frage "auch heute nicht beantworten", so Lafontaine. "Vielleicht hätte ich, wenn ich in der SPD geblieben wäre, mehr erreichen können." Prägend sei für ihn auch das Attentat von April 1990 gewesen, als er bei einem Wahlkampfauftritt in Köln von einer psychisch kranken Frau lebensgefährlich verletzt wurde. Vielleicht schreibe er noch mal ein Buch. Auf jeden Fall aber werde er mit dem E-Fahrrad um seinen Wohnort Merzig nahe an der deutsch-französischen Grenze unterwegs sein - weil er die Natur liebe und weil auch seine Frau Sahra Wagenknecht gerne radle.