Der Tag

Der Tag Peter Handke polarisiert auch mit 80 - und will nicht gestört werden

05.12.2022, 09:46 Uhr
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Der junge Schriftsteller bummelt 1973 über die Frankfurter Buchmesse. (Foto: dpa)

Vor dem runden Geburtstag des österreichischen Literaturnobelpreisträgers Peter Handke am 6. Dezember ist es ungewöhnlich ruhig. Keine großen Festveranstaltungen sind geplant, Interviewanfragen lässt er höflich durch seinen Verlag ablehnen. Die Wiener Literaturwissenschaftlerin und Handke-Expertin Katharina Pektor liefert dafür eine Erklärung: "Er schreibt gerade an einem Text und will nicht gestört werden." So rückt der Autor als unablässiger und radikaler Beobachter der Welt wieder in den Vordergrund, nachdem seine umstrittene Haltung zum Balkan-Konflikt jahrelang das öffentliche Interesse dominiert hatte.

Handke war früher wegen seiner radikalen literarischen Sprache und später wegen seiner Schriften zum Balkan als streitbarer, wenn nicht sogar streitsüchtiger Zeitgenosse bekannt. In seinen jüngsten Werken schlägt er hingegen sanftere und inwendige Töne an. So wie in seinem jüngsten Band "Zwiegespräch", den das Burgtheater in Wien am 8. Dezember als Uraufführung auf die Bühne bringt.

Zu Handkes Prosa-Klassikern zählen "Wunschloses Unglück", das er nach dem Suizid seiner Mutter verfasste, sowie "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter". Dieses Buch wurde von Wim Wenders verfilmt, so wie auch "Der Himmel über Berlin", bei dem Handke am Drehbuch mitwirkte. Und dann sind da noch Handkes Schriften zum Jugoslawien-Krieg. In dem Text "Gerechtigkeit für Serbien" beschrieb der Autor 1996 in lyrischer Weise eine Reise in das Nachkriegsland. "Mit dieser poetischen Sicht versucht er auch in seinen Jugoslawien-Büchern wieder einen neuen Blick zu öffnen für die Gemeinsamkeit und dafür, wie man wieder zusammenleben könnte. Aber das ist irgendwie schiefgegangen", sagt Pektor. Denn Literatur sei immer auch politisch.

Quelle: ntv.de