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Umstrittener Nobelpreis-Autor Serbien überhäuft Handke mit Preisen

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Handke wurde am Sonntag in Belgrad geehrt - zuvor bekam er schon zwei Preise im serbisch geprägten Teil Bosnien-Herzegowinas.

(Foto: dpa)

Während und nach dem Jugoslawien-Krieg solidarisiert sich der Schriftsteller Handke mit Serbien - bis heute. Nun bekommt der Nobelpreisträger eine hohe Auszeichnung in dem Land. Aus Bosnien-Herzegowina kommt Kritik.

Serbien hat den österreichischen Schriftsteller Peter Handke mit einer der höchsten Auszeichnungen des Landes geehrt. Präsident Aleksandar Vucic überreichte dem 78-Jährigen am Sonntag in Belgrad den Karadjordje-Orden für seine "außergewöhnlichen Verdienste bei der Darstellung Serbiens (...) in öffentlichen und kuturellen Aktivitäten" sowie "persönliche Beharrlichkeit in kompromissloser Verantwortung gegenüber der Wahrheit".

Es war nicht der erste Preis, den Handke in den vergangenen Tagen erhielt: In Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska (RS), einem serbisch geprägten Teil Bosnien-Herzegowinas, nahm er bereits am Freitag den Orden der Republika Srpska entgegen, den ihm die RS-Präsidentin Zeljka Cvijanovic überreichte. In der ostbosnischen Stadt Visegrad, die ebenfalls in der RS liegt, ehrte ihn der Filmregisseur Emir Kusturica am selben Tag mit dem Großen Ivo-Andric-Preis.

Handke ist wegen seiner pro-serbischen Haltung während der Balkan-Kriege in den 90er Jahren sehr umstritten. Seine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis 2019 war von scharfen Protesten begleitet, vor allem in Bosnien und im Kosovo. "Das serbische Volk ist froh, Handke zu seinen Freunden zu zählen", sagte Präsident Vucic laut dem Regionalsender N1. Jedes einzelne Wort Handkes sei "donnernd".

Handke sorgte mit Streitschriften wie "Gerechtigkeit für Serbien" von 1996 für eine politische Kontroverse, die mehrfach wieder aufflackerte. Im März 1999 zog Handke eine im serbischen Staatsfernsehen gemachte Aussage zurück, wonach das Leid der Serben über das der europäischen Juden während des Nationalsozialismus gestellt werden könne.

Triumphzug durch serbische Lande

2004 gab es Wirbel um Handkes Gefängnisbesuch bei dem in Den Haag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagten früheren jugolawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. 2006 hielt er eine Rede bei Milosevics Beerdigung. Die Entscheidung, dem deutschsprachigen Autor den Karadjordje-Orden zu verleihen, war bereits im vergangenen Jahr gefallen, die Übergabe erfolgte erst jetzt. Im Februar 2015 erhielt Handke bereits die Ehrenbürgerschaft der serbischen Hauptstadt Belgrad.

In Sarajevo reagierte man mit Ablehnung und Bestürzung auf Handkes Triumphzug durch die serbischen Lande. Die örtlichen Medien bezeichneten den Literaten durchgängig als „Genozidleugner“. Tatsächlich streiten die Politiker und Intellektuellen, mit denen Handke in der RS medienwirksam posierte, die von Serben begangenen Kriegsverbrechen ab. Darunter fällt das Massaker an mehr als 8000 Männern und Jungen in der ostbosnischen Enklave Srebrenica im Juli 1995, aber auch die Ermordung von mehr als 1600 bosnischen Muslimen im Jahr 1992 in der Kleinstadt Visegrad.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa

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