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Der Tag Reaktionen auf Documenta-Rücktritt Schormanns

Der Antisemitismus-Skandal um die Documenta hat zu personellen Konsequenzen geführt: Die Generaldirektorin der Kasseler Kunstausstellung, Sabine Schormann, legte ihr Amt nieder. Der Aufsichtsrat, die Gesellschafter und Schormann selbst verständigten sich darauf, ihren Geschäftsführer-Vertrag kurzfristig aufzulösen. Kulturstaatsministerin Claudia Roth, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, und Vertreter der Ampel-Fraktionen begrüßten den Rückzug der Documenta-Chefin.

Schormann war wegen der Antisemitismus-Vorwürfe um die Kasseler Kunstausstellung in den vergangenen Wochen zunehmend unter Druck geraten. Der Aufsichtsrat äußerte in der Erklärung seine "tiefe Betroffenheit" darüber, dass am Eröffnungswochenende der 'documenta fifteen' "eindeutig antisemitische Motive" zu sehen gewesen seien.

  • Roth nannte es in der "Frankfurter Rundschau" "richtig und notwendig, dass nun die Aufarbeitung erfolgen kann, wie es zur Ausstellung antisemitischer Bildsprache kommen konnte, sowie die nötigen Konsequenzen für die Kunstausstellung zu ziehen".
  • Der Antisemitismusbeauftragte Klein sagte der "Bild am Sonntag": "Nach dem verheerenden Umgang mit den Antisemitismus-Vorwürfen bei der Documenta und dem vollständigen Verlust ihrer Glaubwürdigkeit war der Rücktritt von Frau Schormann überfällig." Nun komme es darauf an, für die Zukunft die notwendigen strukturellen Konsequenzen zu ziehen. "Antisemitismus darf in keiner Form im Kulturleben akzeptiert werden, gleichgültig woher die Kulturschaffenden kommen."
  • Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und FDP begrüßten Schormanns Rückzug ebenfalls. Der kulturpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Helge Lindh, sprach in der "Welt am Sonntag" von einem "überfälligen Befreiungsschlag aus einem Teufelskreis von Missmanagement und Misskommunikation".
  • Auch Linda Teuteberg, innerhalb der FDP-Bundestagsfraktion zuständig für jüdisches Leben, hält die Abberufung für überfällig. Israelbezogener Antisemitismus sei wie jede Erscheinungsform des Antisemitismus "inakzeptabel", sagte sie der "WamS". Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger forderte in der Zeitung eine Prüfung der Kunstwerke.
  • Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, forderte den gesamten Aufsichtsrat der Documenta zum Rücktritt auf. Der Aufsichtsrat um den Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle und die hessische Kunstministerin Angela Dorn habe "trotz Warnungen dies alles zugelassen", sagte Beck der "WamS".

Quelle: ntv.de

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