Der TagSloterdijk: Trump befriedigt mittelalterliches Bedürfnis
Ein Garant für Aufmerksamkeit ist der Name "Trump" allemal. Doch woran liegt das? "Er befriedigt ein Bedürfnis, das strukturell eher im Mittelalter angesiedelt ist", sagt der Philosoph Peter Sloterdijk. Der US-Präsident sei so etwas wie König und Hofnarr in einer Person. "In ihm verschmelzen Hofberichterstattung und Kabarett zu einer Gattung. Insofern ist die Trump-Nachricht eine neue Rollenfigur." Eine Vorstufe davon sei der britische Politiker Boris Johnson gewesen. "Über ihn gab es immer etwas zu lachen, aber unglücklicherweise war er auch Premierminister."
Das Phänomen sage viel über die Verfasstheit der derzeitigen Gesellschaft, die "ganz in medialer Sucht gebadet" sei, so Sloterdijk, der bekannteste deutsche Philosoph. "Trump bedient das perfekt, weil er selber seine Ausbildung als Clown vor dem Publikum gemacht hat. Er kommt ja aus dem Showbusiness und hat dort den erfolgreichen Geschäftsmann simuliert, der er in Wahrheit nicht war. Aber er hat gemerkt, dass es genügt, etwas darzustellen, um Glauben daran zu wecken."