Der TagSuters neuer Roman, zwischen Geldnot, Überfluss und Altherrenfantasien
Ein meist blanker Kunstdetektiv trifft auf einen reichen Kunstmäzen: Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter hat in seinem neuen Buch (erscheint morgen) zwei altbekannte Romanfiguren zusammengeführt. Es geht um den Detektiv Johann Friedrich von Allmen aus der seit 2011 laufenden Allmen-Reihe, und Adrian Weynfeldt, den Erben und Kunstmäzen, der 2008 im Buch "Der letzte Weynfeldt" im Suter-Kosmos Debüt hatte. Bei dem einen verschwindet ein wichtiges Gemälde von der Wand, der andere bietet sich zur diskreten Aufklärung des Falls an.
Es geht wie in anderen Suter-Romanen um Geld, Prestige, Marotten - und ein bisschen Sex mit einer geheimnisvollen Schönen. Weynfeldt, hauptsächlich Erbe und Kunstfreund, umgibt sich mit künstlerischen Freunden, deren Zuneigung zum Teil auf dem Kalkül beruht, ihm immer wieder Geld aus dem Kreuz leiern zu können. Er weiß das, und hilft gerne aus. Die Schulden des einen bezeichnet er in der Geschichte einmal fast entschuldigend als "Peanuts. In unseren Kreisen." Allmen gibt gerne den großzügigen Lebemann, muss sich dafür aber Geld bei einem Mann leihen, den er seinen "Diener" nennt. Er sieht sich wie Weynfeldt in gehobenen Kreisen und lebt zum Schein auf großem Fuß, ehe er im bescheidenen Gartenhäuschen verschwindet, weil er die dazugehörige Villa verkaufen musste. Die Suche nach dem Gemälde lässt er wie einen Freundschaftsdienst klingen. (...) Die etwas abrupte Auflösung des Falls kommt schließlich ohne die Geliebte, aber mit Erotik-Tricks zustande.
Martin Suters Welt ist oft bevölkert von älteren Herren, die sich als Künstler sehen. Sie versprühen Charme wie in alten Zeiten: Da wird ungern mit Kreditkarte bezahlt, gerne mit Chauffeur gefahren, großzügig Trinkgeld vergeben und in feiner Gesellschaft diniert. Ein wenig altherrenmäßig ist auch die Betrachtung der Frauen: "Bianca war von hinreißender Natürlichkeit, wie die Bauernmädchen, für die er (...) geschwärmt hatte, aber mit einem Gesicht und Körper wie von Michelangelo aus Carrara-Marmor gemeißelt und poliert." Alles wie immer also, bei Suter.
