Der TagTschechische Ministerin vergleicht Corona-Krise mit Zweitem Weltkrieg

Vergleiche mit dem Zweiten Weltkrieg, Bezüge zur NS-Zeit - das geht eigentlich immer schief. Die Erfahrung musste auch die tschechische Arbeits- und Sozialministerin Jana Malacova machen. Die Politikerin hatte die Corona-Krise mit dem Zweiten Weltkrieg verglichen - und sich für ihre vollkommen missglückte Wortwahl jetzt öffentlich entschuldigt. Das sei unpassend gewesen, bedauerte die Sozialdemokratin. "Das ganze Land steht still - selbst der Zweite Weltkrieg hat nicht das verursacht, wofür Covid-19 gesorgt hat", hatte sie in einer Fernsehdebatte gesagt. Keine andere Situation habe jemals verhindert, dass die Kinder in die Schule gehen können, behauptete die 39-Jährige.
Eigentlich nicht notwendig, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass dieser Vergleich mehr als nur "hinkt", aber der Leiter des Jüdischen Museums in Prag, Leo Pavlat, stellte dennoch die historischen Fakten klar: Jüdische Kinder seien unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg erst teilweise und vom Juli 1942 an ganz am Schulbesuch gehindert worden. Angesichts der Opfer der Schoah seien die Äußerungen der Ministerin in jedem Fall "extrem taktlos" gewesen, kritisierte der 70-Jährige in einer Stellungnahme. Als Schoah wird der nationalsozialistische Völkermord an den europäischen Juden bezeichnet, dem insgesamt mehr als sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen. Darunter waren mehr als 80.000 tschechische Juden, die in deutschen Lagern ermordet wurden.