Der TagUmstrittenes Akw an EU-Grenze bekommt Kernbrennstoff
Wie kein anderer Staat war Belarus 1986 von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl in der benachbarten Ukraine betroffen. Doch offenbar lernt die Ex-Sowjetrepublik nichts aus der Geschichte. Das neue Atomkraftwerk in Ostrowez an der Grenze zum EU-Land Litauen hat kurz vor seiner Fertigstellung seinen Kernbrennstoff erhalten. Dieser sei für den ersten Atommeiler vorgesehen, teilte das Energieministerium der Ex-Sowjetrepublik in Minsk mit.
Das Akw wird vom russischen Atomenergiekonzern Rosatom gebaut, der die Anlage zu 90 Prozent mit Krediten finanziert. Das Akw soll im Juni fertig werden und ab Herbst ans Netz gehen. Es ist das Prestigeprojekt von Präsident Alexander Lukaschenko.
Das Nachbarland Litauen bemängelte immer wieder die Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards. Nach Angaben der Regierung in Vilnius kam es bei den Bauarbeiten mehrfach zu Zwischenfällen. Minsk hält die Kritik für unbegründet.
Litauen hatte das nur 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernte Atomkraftwerk als Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft. In einer diplomatischen Note rief das Land Belarus auf, die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks zu verschieben. Die Sicherheit habe Vorrang vor der Erfüllung des Bauplans, hieß es.