Der TagZoff an der PEN-Spitze - bleibt Yücel im Amt?
Überschattet von internen Querelen kommt das deutsche PEN-Zentrum ab Donnerstagabend zu seiner Jahrestagung im thüringischen Gotha zusammen. Nach heftigem Streit in der erst im vergangenen Herbst eingesetzten Führungsriege entscheiden die Mitglieder der Schriftstellervereinigung an diesem Freitag über die Abberufung des zum Präsidenten gewählten Journalisten Deniz Yücel und von drei weiteren Präsidiumsmitgliedern. Die Abberufungsanträge sind nach PEN-Angaben ein einmaliger Vorgang in der jüngeren Geschichte der Vereinigung.
Die Vorwürfe beziehen sich auf einen umfassenden Mailwechsel im Präsidium. Die 47 Antragsteller sehen ein in der Mitgliedschaft geäußertes "Erschrecken über Umgangsstil, Sprache und Herrscherallüren". Es werde eine "tiefgreifende, systemische Störung des Anstands und der Würde des PEN" gesehen, die Folgen für den inneren Zusammenhalt und die Außensicht von Öffentlichkeit und Geldgebern habe. Die beantragte Abberufung der Verantwortlichen solle daher einen Neubeginn ermöglichen.
Es gibt aber auch viele Mitglieder, die hinter dem in die Kritik geratenen Präsidenten stehen. Der PEN sei mit seinem Einsatz für die Freiheit des Wortes heute in der Öffentlichkeit so präsent wie schon sehr lange nicht mehr. Das Präsidium arbeite in seiner Mehrheit harmonisch, demokratisch und erfolgreich im Sinne der Charta des PEN für bedrohte Kollegen und Kolleginnen.