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"Buy the dip"Warum Timing beim Investieren oft überschätzt wird 

22.04.2026, 07:00 Uhr
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Jetzt noch einsteigen oder lieber warten? Der richtige Zeitpunkt ist beim kurzfristigen Investieren nicht leicht zu finden. (Foto: dpa)

Wenn die Kurse schwanken und die Unsicherheit steigt, setzen viele Anleger auf eine vermeintlich einfache Strategie: Rücksetzer nutzen und gezielt günstig einsteigen. Doch was in der Theorie logisch klingt, entpuppt sich in der Praxis oft als trügerisch.

Wer sein Geld an der Börse investiert, braucht starke Nerven, wenn die Kurse Achterbahn fahren. Dabei scheint es in der Theorie ja ganz einfach zu sein: "Buy the dip" lautet eine alte Börsenweisheit. Die Idee dahinter: Günstig einsteigen, wenn die Kurse fallen und von der nächsten Erholung profitieren. Doch so plausibel das klingt, so schwierig ist es, die Regel in der Realität umzusetzen.

Wann genau kommt der Aktien-Abschwung?

Denn wer den Dip kaufen will, muss zunächst erkennen, wann ein Absinken der Aktienkurse tatsächlich eine Gelegenheit ist. Der vermeintlich perfekte Zeitpunkt für den Einstieg kann sich im Nachhinein als Rohrkrepierer entpuppen, wenn die Talsohle noch nicht erreicht ist und die Kurse nach dem Einstieg weiter fallen. Genau hier liegt das zentrale Problem. Märkte lassen sich kaum zuverlässig prognostizieren, da sie von einer Vielzahl unvorhersehbarer Faktoren beeinflusst werden, von geldpolitischen Entscheidungen bis hin zu geopolitischen Ereignissen. Wie wenig Einfluss das richtige Timing selbst im Kleinen hat, zeigt eine Analyse von Finanztip. Dort wurde untersucht, ob es für die Rendite eine Rolle spielt, an welchem Tag im Monat ein ETF-Sparplan ausgeführt wird. Das Ergebnis: Die Unterschiede sind minimal und langfristig kaum relevant. Wer langfristig investiert, macht sich unabhängig von kurzfristigen Launen des Marktes und schläft deutlich entspannter.

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Warum Hobby-Anleger die besten Phasen verpassen

Selbst professionelle Fondsmanager schaffen es nur selten, den Markt langfristig zu schlagen. Studien wie die regelmäßig veröffentlichten SPIVA-Scorecards von S&P Dow Jones Indices zeigen, dass langfristig rund 80 bis 90 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex nicht schlagen. Über Zeiträume von zehn bis 15 Jahren verschlechtert sich die Bilanz sogar weiter. Es ist also kein Wunder, dass viele Hobby-Anleger genau die entscheidenden Börsenphasen verpassen. Märkte spiegeln nicht nur harte Fakten, sondern auch Erwartungen und Stimmungen. Selbst wer jeden Tag Börsennachrichten verschlingt und aktuelle Konjunkturdaten kennt, kann nicht zuverlässig vorhersagen, wie der Markt diese bewertet.

Hinzu kommt: Ein Großteil der langfristigen Rendite entsteht an wenigen besonders starken Tagen, die oft unerwartet auftreten und nicht selten direkt auf Kursrückgänge folgen. Wer in solchen Phasen nicht investiert ist, nimmt die anschließende Erholung nicht mit. Umgekehrt fahren Anleger horrende Verluste ein, wenn sie sich bei fallenden Kursen von der kollektiven Angst beeinflussen lassen und spät verkaufen, statt die Durststrecke auszusitzen. Die Folge: Hobby-Börsianer kaufen häufig teuer und verkaufen günstig. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass jeder einzelne Trade bei vielen Depotanbietern Gebühren kostet, die wiederum die Rendite des Anlegers schmälern.

Langfristig zeigt sich deshalb ein klares Bild: Entscheidend ist nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt, sondern die Zeit im Markt. Rücksetzer gehören dazu und können sogar Chancen bieten, doch sie gezielt zu timen, gelingt selten. Wer regelmäßig investiert und investiert bleibt, profitiert deutlich stärker von der Entwicklung der Märkte als jemand, der auf den idealen Moment wartet.

"Buy the dip" ist damit weniger eine Anleitung zum perfekten Timing als vielmehr eine Erinnerung daran, dass Schwächephasen Teil des Marktes sind. Wer sie nutzt, ohne auf den exakten Tiefpunkt zu spekulieren, fährt in der Regel besser. Wer dagegen versucht, jeden Dip punktgenau zu treffen, läuft Gefahr, genau das zu verpassen, worauf es langfristig ankommt: Zeit im Markt.

Quelle: ntv.de