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"Micmacs - Uns gehört Paris!" Wunderlinge gegen Waffenfabrikanten

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Der arme Bazil (Dany Boon) - vom Unglück verfolgt, muss er auf der Straße schlafen.

(Foto: Kinowelt)

Regisseur Jeunet entführte den Zuschauer einst in die Welt der "Delicatessen" und von Amélie. Nun kommt sein neuer Film mit Sch’tis-Star Dany Boon in die Kinos - wieder sehr skurril.

Waffen bringen nichts Gutes – das muss Bazil schon als kleines Kind erleben. Da wird sein Vater in Nordafrika von einer Mine zerfetzt, seine Mutter verliert darüber den Verstand. Etwa zwei Jahrzehnte später bekommt Bazil vor der Videothek, in der er sein tristes Arbeitsleben fristet, eine Kugel in den Kopf – direkt zwischen die Augen. Kein tödlicher Schuss, und der Notarzt entscheidet: die Kugel bleibt besser drin, sonst ist Bazils Hirn nur noch "Gemüse".

Calculette, Canaille und Cassoulette

Micmacs_Bazil inmitten seiner neuen Familie: Calculette (Marie-Julie Baup), Bricàbrac (Dominique Pinon), Cassoulet (Yolande Moreau), Bazil (Dany Boon), Petit Pierre (Michel Cremades), Canaille (Jean-Pierre Marielle), Remington (Omar Sy).jpg

Zum Glück findet Bazil bald eine "neue Familie": Calculette (Marie-Julie Baup), Bricàbrac (Dominique Pinon), Cassoulet (Yolande Moreau), Bazil (Dany Boon), Petit Pierre (Michel Cremades), Canaille (Jean-Pierre Marielle), Remington (Omar Sy).

(Foto: Kinowelt)

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus steht er plötzlich ohne Arbeit und Wohnung da. Er muss sich aber nicht lange allein durchschlagen, denn er gerät durch Zufall an eine Gruppe von Außenseitern, die in Paris in einer Art Schrotthöhle leben und ihn bei sich aufnehmen. Jeder von ihnen hat eine andere (selbstverständlich liebenswerte) Eigenart, die er nutzbringend in die Gemeinschaft einbringt: Mademoiselle Kautschuk ist extrem biegsam, Calculette ein Rechen- und Zahlengenie, Canaille entkam wie durch ein Wunder der Guillotine und knackt jedes Schloss, Bricabrac besteht eigentlich nur noch aus Ersatzteilen, Remington redet ständig in Sprichwörtern und Redewendungen und tippt alles in seine Schreibmaschine, Petit Pierre baut aus Schrottteilen wundersame und wundervolle Figuren und die Köchin (und selbsternannte Chefin) Cassoulette schwingt streng den Kochlöffel über allen.

So weit, so skurril. Und so geht es weiter in Jean-Pierre Jeunets neuem Film "Micmacs - Uns gehört Paris!". Jeunet erlangte bei uns vor allem Bekanntheit durch "Delicatessen" (1992) und "Die fabelhafte Welt der Amelie" (2001) und die Nähe zu beiden Filmen kann "Micmacs" nicht leugnen: ebenso braunstichig wie "Delicatessen", ein Universum voller liebenswürdiger Verrückter und wunderlicher Charaktere, die gemeinsam etwas aushecken und so die Reichen, die Mächtigen, die Großen zur Strecke bringen.

Es wird nämlich ein Kampf ausgefochten – gegen die Waffenfabrikanten, in denen Bazil (gespielt von "Willkommen bei den Sch’tis"-Star Dany Boon) die Verursacher seiner persönlichen Schicksalsschläge ausgemacht hat. Hier hat der Film seine größte Stärke – mit großem Witz und Einfallsreichtum geht die Truppe zu Werke, um die Fabrikanten systematisch fertigzumachen. Sehr kurzweilig hat Jeunet das filmisch umgesetzt, wenn manche Ideen auch sehr an etwa "Ocean’s eleven/twelve/13" erinnern – etwa wenn Madame Kautschuk zusammengefaltet in einem Paket das Eindringen in eine Wohnung ermöglicht.

Die Kleinen gegen die Großen

Die flexible Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier)_ Micmacs.jpg

Äußerst flexibel: Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier).

(Foto: Kinowelt)

Zudem ist die Handlung doch reichlich naiv und altbacken nach dem Muster "Gut gegen Böse, David gegen Goliath, wir hier unten gegen die da oben – aber zusammen sind wir stark" gestrickt. "Micmacs" könnte glatt als Kinderfilm durchgehen, wäre da nicht die eine oder andere blutige Szene – es geht ja schließlich um Waffen und Munition.

Ziemlich konstruiert und überflüssig wirkt auch die Liebesgeschichte zwischen Bazil und Madame Kautschuk – weniger wäre hier mehr gewesen. Das betrifft auch die Länge des Films – von den 104 Minuten hätte man sich die eine oder andere durchaus gewinnbringend sparen können, zugunsten der Spannung. Aber Jeunet hatte wohl zu viele Ideen lustiger Szenen, die er noch unterbringen wollte.

Gute Unterhaltung

Dennoch ist "Micmacs" ein äußerst amüsanter Film, der zu großen Teilen prächtig zu unterhalten weiß. Vor allem der Schluss schlägt einen unerwarteten, originellen Bogen ins moderne Technologie-Zeitalter, wenn das weltumspannende Internet hilft, die Bösewichte zur Strecke zu bringen.

"Micmacs - Uns gehört Paris!" ist ein Film, der einem einen durchaus unterhaltsamen Kinoabend bescheren kann, aber nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Er hatte seine Weltpremiere 2009 bei den Filmfestspielen in Toronto und läuft ab 22. Juli 2010 in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de