Leben

Männer? Die Kolumne. Ab an den Herd!

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Muss erst noch lernen, was man mit einem Bügeleisen machen kann: angehender Hausmann

(Foto: imago/imagebroker)

Männer sind keine Schweine, aber verglichen mit Frauen ganz schön faul: Das ist, minimal verkürzt und nur ganz leicht zugespitzt, das Ergebnis einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation. Unser Autor weiß, was sich dagegen machen lässt.

Neben dem Bett meiner Freundin, eingeklemmt zwischen Nachttisch und Wand, liegt eine Mandarine. Sie liegt da schon ziemlich lange, mindestens seit Weihnachten, und ist mittlerweile ganz klein und fest und schwarz. Man sieht diese Mandarine nur, wenn man auf meiner Seite des Bettes schläft und sich in einem komplizierten Winkel nach unten beugt - und weil meine Freundin selten kopfüber im Liegen putzt, liegt sie da eben immer noch. Ich habe übrigens noch nie darüber nachgedacht, sie aufzuheben: nicht meine Zuständigkeit.

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Weiß jetzt, wie man einen Kochlöffel einsetzt: Mann am Herd

(Foto: imago/Westend61)

Und trotzdem musste ich gleich an die Mandarine denken, als mich vergangene Woche folgende Schlagzeile ansprang: "Frauen leisten mehr als Männer." Ha, von wegen, dachte ich zuerst. Und dann: So eine Frechheit, nach welchen Kriterien wurde denn da bitte gemessen? Überhaupt: Das kann man doch nicht alles über einen Kamm scheren. Von gerechtem Zorn gepackt, klickte ich auf den Link und sah: Doch, kann man wohl.

Vier Stunden und 29 Minuten arbeitet eine deutsche Frau täglich, ohne einen Cent dafür zu sehen, hat die Internationale Arbeitsorganisation herausgefunden. Männer verbringen dagegen nicht einmal die Hälfte der Zeit mit Kochen, Putzen oder Gartenarbeit. Na gut, könnte man jetzt sagen: Es gibt eben immer noch mehr Hausfrauen als -männer. Das stimmt zwar auch, aber wenn man die geleisteten Stunden an unbezahlter und bezahlter Arbeit zusammenzählt, lautet das Ergebnis: Frauen 55, Männer 49.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Dass der Mythos vom hart schuftenden Mann als alleinigem Rückgrat der Familie nichts weiter als ein Mythos ist, dürfte für die meisten da draußen nichts Neues sein. Und trotzdem ist es noch mal etwas ganz anderes, wenn aus einem unbestimmten Gefühl harte Zahlen werden. Nachdem ich mit dem Artikel fertig war, saß ich noch eine Zeitlang regungslos am Schreibtisch und grübelte, was passieren müsste, um das Verhältnis auszugleichen. Ich stellte komplizierte Überlegungen an, wie sich der Arbeitsaufwand im Haushalt reduzieren ließe und setzte meine Hoffnungen schließlich auf den Siegeszug der Haushaltsroboter. Die würden das Problem schon von alleine lösen.

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Funktioniert auch in der Küche: Mansplaining

(Foto: imago/Westend61)

Erst viel später kam mir ein fast schon revolutionärer Einfall: Wir Männer könnten auch einfach mal mehr machen. Ich weiß theoretisch spätestens seit meinem zwölften Lebensjahr, wie man ein Bad putzt, den Rasen mäht oder den Abwasch erledigt - ich mache es nur einfach nicht besonders gerne. Weil ich aber auch keine Frau kenne, die Hausarbeiten zu ihren Lieblingsaktivitäten zählen würde, ist das wahrscheinlich kein besonders gutes Argument.

Richtig gut klingt dagegen der Einwand, dass geteiltes Leid halbes Leid ist: Wenn wir die unbezahlte Arbeitszeit von Männern und Frauen zusammennähmen und im Anschluss halbierten, blieben für beide Geschlechter noch jeweils drei Stunden Arbeit übrig - und damit ließe es sich doch im Sinne der Gleichberechtigung ganz gut leben.

Nur: So einfach wie in meiner Milchmädchenrechnung funktioniert das leider nicht. Es geht nämlich nicht nur darum, die Zeiten zu egalisieren, die Männer und Frauen im Haushalt arbeiten, sondern um einen kompletten Paradigmenwechsel. Bei den allermeisten von uns ist das klassische Modell von Frauenarbeit (im Haus) und Männerarbeit (im Job) nämlich immer noch fest verankert: Selbst wenn sich Männer heutzutage an der Hausarbeit beteiligen, tun sie das häufig in dem Bewusstsein, dass die Frau den Haushalt organisiert und der Mann nur auf Nachfrage zuarbeitet. Anders gesagt: Hätte meine Freundin mich aufgefordert, die Mandarine aufzuheben, hätte ich es getan. Hat sie aber nicht, also habe ich es nicht getan.

Das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein, hat einen Namen: "Mental Load", mentale Belastung. Es betrifft vor allem Frauen - und wer sich damit beschäftigt, macht die ganz großen Fässer auf. Zu groß, um das Thema im Vorbeigehen abzufrühstücken: Das ist der Stoff, aus dem die nächste Kolumne sein wird. Ich habe trotzdem schon mal beschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen: Nächstes Mal, wenn ich bei meiner Freundin in Berlin zu Besuch bin, werde ich mich um die schwarze Mandarine kümmern. Ehrlich jetzt.

Quelle: n-tv.de

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