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Offenbar nur wenig Flugscham Diese Reisetrends sind 2020 angesagt

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Die Nachfrage nach Türkei-Reisen zieht nach den Krisenjahren wieder kräftig an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn die Temperaturen in Deutschland fallen, steigt bei vielen Deutschen das Fernweh - und der eine oder andere stöbert nach Angeboten für Urlaubsreisen im kommenden Jahr. n-tv.de hat sich in der Touristikbranche umgehört, welche Reisetrends und Destinationen für 2020 im Trend liegen:

Trend 1: Die Türkei wird wieder massiv gebucht

Frühbucher haben sich diese Zeit schon im Kalender markiert und suchen von November bis zum Frühjahr nach Urlaubsschnäppchen. Beim größten deutschen Reiseveranstalter Tui lassen sich auch schon einige Trends für das kommende Jahr ablesen. Vor allem die Türkei profitiert von deutschen Urlaubern: "Die Nachfrageverschiebung vom westlichen zum östlichen Mittelmeer bleibt der auffälligste Trend. Mallorca hat in diesem Jahr seine Spitzenposition als Einzeldestination an Antalya abgegeben", heißt es von Tui Deutschland auf Anfrage von n-tv.de. "Die Türkei befindet sich weiter auf der Überholspur und verzeichnet hohe Buchungszuwächse." Gern gebucht werden auch Ägypten, die Kapverdischen Inseln und Marokko. Klimadebatte hin oder her - Fernreisen scheinen auch weiterhin zu boomen: "Vor allem die Fernstreckenziele sind gut gebucht, vor allem Indonesien, Malediven, Seychellen, Kenia, Costa Rica und insbesondere Tansania."

Trend 2: Der individuelle Pauschalurlaub

Ein weiterer Trend ist aus Veranstalter-Sicht die Individualisierung, die auch im Rahmen von Pauschalreisen eine immer größere Rolle spielt. "Kunden suchen immer stärker nach besonderen und individuellen Erlebnissen für ihren Urlaub", erklärt Tui. Das Angebot reiche dabei von Abenteuer-Erlebnissen, Musicals, Theater, Konzerten und Themenparks über Tickets für Sportveranstaltungen bis hin zu geführten Städtetouren und individuellen Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten. Standardlösungen würden mehr und mehr von individuellen Diensten abgelöst.

Reisende, die sich bereits für den kommenden Sommer festlegen möchten, profitieren von Rabatten, die die Veranstalter in den Wintermonaten aufrufen. Je nach Buchungszeitpunkt können Kunden 40 bis 50 Prozent des Preises einsparen. Weil die Reise allerdings lange im Voraus gebucht wird, ist eine Reiserücktrittsversicherung oftmals sinnvoll. 

Trend 3: Kultururlaub in Europa

Wer online oder im Reisebüro nicht die passende Inspiration für eine Urlaubsreise findet, kann sich auch auf die Expertise des Spezialisten "Lonely Planet" verlassen, der jedes Jahr die großen Trendziele kürt. Der Reisebuchverlag hat dieses Jahr auch eine deutsche Stadt in seiner Bestenliste "Best in Travel 2020" geadelt: Bonn. Grund dafür ist das Beethoven-Jahr, das die Stadt am Rhein im kommenden Jahr mit vielen Veranstaltungen feiern will. Zum 250. Geburtstag des Komponisten und Pianisten plant die Stadt einige Konzerte, die die Besucher aus der ganzen Welt anlocken sollen.

Bonn landet in der Wahl auf Platz fünf der attraktivsten Städtereiseziele der Welt. Auf der Top-Position rangiert Salzburg. Besonders Kulturfans kommen dort auf ihre Kosten, denn auch hier wählt der "Lonely Planet" ein Event zum Aufhänger für eine Städtereise: "Die Salzburger Festspiele werden 100 und die bildhübsche Alpenstadt preist das Jubiläum in den höchsten Tönen. Das Festival sei immer ein rauschendes Fest für Freunde von Oper, klassischer Musik und Theater - und falle 2020 besonders pompös aus", heißt es bei "Lonely Planet".

Trend 4: Kreuzfahrtboom hält weiter an

Wenn es um Reisetrends geht, darf ein Thema auch im nächsten Jahr nicht fehlen: Kreuzfahrten. Die Branche schreibt jedes Jahr neue Rekordzahlen. Aber ist das auch in Zeiten der Klimadebatte noch so?

Die Kreuzfahrt-Reedereien geraten immer mehr unter Druck, etwas gegen die Umweltbelastung  durch ihre Schiffe zu tun. Allerdings ist der Kreuzfahrtboom in Deutschland trotz der Klimadebatte und Fridays for Future immer noch ungebrochen: Die Zahlen des Kreuzfahrt-Branchenverbandes Clia steigen seit Jahren unaufhörlich an - mehr als zwei Millionen Deutsche haben 2018 eine Kreuzfahrt gebucht. Auch für das kommende Jahr rechnen die Branchenexperten mit Zahlen über der Zwei-Millionen-Marke. Zudem werden weltweit immer mehr Schiffe in Betrieb genommen.

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Die Reedereien würden sich nach Angaben des Verbandes in Sachen Klimaschutz selbst in die Pflicht nehmen: "Ihren Beitrag zum Klimaschutz wollen die Reedereien unter anderem dadurch weiter erhöhen, dass sie sich freiwillig dazu verpflichtet haben, die Rate der CO2-Emissionen der gesamten Clia-Flotte bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 2008 zu senken", erklärt Helge Grammerstorf von Clia. Nach Angaben des Kreuzfahrtverbandes spielen bei der Wahl des Reiseziels auch die Medien eine wichtige Rolle: "Urlauber lassen sich immer stärker über Instagram und andere soziale Medien von Reisezielen und -erlebnissen inspirieren. Spezielle Erlebnis- und Themenkreuzfahrten liegen ebenso im Trend wie Entdeckungsreisen in entlegenere Zielgebiete", erklärt Grammerstorf.

Trend 5: Kaum Flugscham

Auch die aus Schweden stammende Flugscham-Debatte scheint sich nur wenig auf das Verhalten von Urlaubern auszuwirken. Denn trotz der massiven weltweiten Klimastreiks und politischen Debatten wächst der globale Flugverkehr und steht derzeit bei etwa 4 Milliarden Passagieren. n-tv Reiseexperte Ralf Benkö sieht ebenfalls nur geringe Auswirkungen bei den deutschen Urlaubern: "Die Rückmeldung der Airlines ist eher nicht so, dass die Deutschen plötzlich keine Flüge mehr buchen, weil die Klimadiskussion bei ihnen angekommen ist." Aber es sei ein Thema, das in den Köpfen der Menschen sei. Die Lufthansa habe ihm vor Kurzem mitgeteilt, dass sich viel mehr Leute als früher dafür interessieren, wie man Flüge kompensiere.

Auch die absoluten Zahlen auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main sprechen eine eindeutige Sprache: Alleine im Jahr 2018 zählte er fast 70 Millionen Passagiere, rund 7,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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Quelle: n-tv.de

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