Leben

Die Dinge des Lebens Feminismus, ohne Männer runterzumachen

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Ed Sheeran - er hat gewiss seine Qualitäten!

(Foto: imago images / Pacific Press Agency)

Ed Sheeran wird der "Sexiest Man Alive"! Und Amy Shumer die dazugehörige Woman! Glauben Sie nicht? Stimmt. Aber es wäre schön. Darüber, ob man öffentlich über die Sexyness anderer Menschen spotten sollte, macht sich die Kolumnistin so ihre Gedanken.

Neulich habe ich beim Autofahren Radio gehört, eine Moderatorin hatte eine Hörerin in der Leitung, weil diese erraten hatte, dass es sich bei der in der Sendung gesuchten Person um Ed Sheeran handelt. Ed Sheeran ist dieser rothaarige, irre erfolgreiche Schmuse-Singer-Songwriter, Produzent, Schauspieler "und echt ein ganz toller, knuffiger Typ", wie die Moderatorin ihn kichernd beschrieb, und bemerkte, dass der gute Ed eben ganz, ganz vieles ist - aber eines gewiss nicht, und das würde sich auch nie ändern: Er würde nämlich niemals "Sexiest Man Alive" werden. Brüller! Die Damen - sowohl Moderatorin als auch die noch in der Leitung befindliche Gästin - lachten sich kaputt über diesen "Joke", nee, also der Ed, das ginge ja gar nicht, ganz sweet ist der und so, aber "Sexiest Man Alive"? Never ever!!

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Diese Fan-Girls in Moskau lieben ihren Ed!

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Ich persönlich glaube auch nicht, dass Ed Sheeran jemals der "Sexiest Man Alive" werden wird, und für mich ist er das auch nicht, da kann er noch so erfolgreich sein. Aber fragt mal seine weiblichen Fans, die hysterisch kreischen, wenn er auf die Bühne kommt, die finden den Mann sexy! Und seine Frau denkt das höchstwahrscheinlich auch, dass ihr Typ recht sexy ist, hätte sie ihn sonst geheiratet? Ja gut, so etwas machen berechnende Frauen manchmal, aber sie war mit dem Ed schon zusammen, als der noch nicht reich und berühmt war. Und Frauen, die auf rothaarige Männer und Katzenbabys stehen finden Ed Sheeran nunmal garantiert sexy, da würde ich meine Hand für ins Feuer für legen! Die Geschmäcker sind schließlich verschieden. "Und jetzt Musik ..."

Ich fahre also weiter Auto und höre weiter Radio, aber die Geschichte lässt mir keine Ruhe. Warum durften die beiden Frauen sich über Ed Sheeran so lustig machen? Klar, die meinten das nicht böse, und der Ed hörte ihnen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gar nicht zu, es sei denn, Ed Sheeran ist RBB-Hörer. Aber ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn zwei Männer sich so über eine Frau unterhalten hätten: "Haha, Amy Schumer, die wird ja wohl nie "Sexieste Frau Alive" werden", höre ich den imaginären Moderator in meinem inneren Ohr, und der imaginäre Hörer sagt: "Never, die ist doch echt 'n bisschen zu fett." Der Moderator ergänzt: "Witzig, ja, und auch reich, aber sexy ist die Alte nicht".

Diese Chauvi-Schweine

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Eine rotfellige Babykatze . Süß. Sieht ein bisschen aus wie Ed Sheeran, oder?

(Foto: imago images/blickwinkel)

Bämm, das wäre doch 'ne Katastrophe, ein echter Aufreger (zu Recht), Frauenverbände, Frauenbeauftragte, Emanzen und Feministinnen aller Länder würden aufschreien und sich darüber beschweren, dass diese Chauvi-Schweine ihre Schwester Amy nicht sexy finden! Das muss unterbunden werden.

Ihr versteht was ich meine, oder? Wo ist der Unterschied? Ja ja, schon klar, Frauen leiden schon immer darunter, dass sie bestimmte Klischees angeblich erfüllen müssen, und nun befreien sich Frauen also aus diesem Jahrhunderte alten Patriarchat und machen ihr eigenes Ding - und eben ihre eigenen Witze. Auf Kosten anderer auf jeden Fall, gern auch über Männer. Aber soll das die Zukunft sein? Will ich, dass meine Töchter denken, sie sind besonders feministisch, wenn sie Männer runtermachen oder in der Luft zerreißen? Oder sich genauso chauvinistisch benehmen wie Männer seit Anbeginn? Frauen sollten es anders machen, besser machen! Denn das Zurückzahlen mit gleichen Waffen bringt uns doch keinen Schritt weiter, Schwestern. Das ist gequirlter Mist.

Das ist genauso beknackt, wie eine Sendung über Rassismus zu machen und nur Weiße dazu einzuladen. Es ist ähnlich beknackt wie die Tatsache, dass ältere Leute gern als "süß" tituliert werden - ergo nicht mehr so ganz richtig ernst genommen werden. Das ist, wie darauf zu bestehen, dass das Zigeunerschnitzel Zigeunerschnitzel bleiben soll, egal, wie "die Zigeuner" das finden, "hamwa immer so gemacht". Wir sind so weit, dass die Disney-Filme "Dschungelbuch", "Aristocats" oder "Peter Pan" mit rassistischen Warnhinweisen versehen werden, um rassistische Darstellungen aufzuarbeiten.

Sollten wir da nicht auch anfangen, über Männer netter zu reden, vor allem, wenn sie gar nicht im Raum sind?

Quelle: ntv.de