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Fashion "Made in Tel Aviv" Israels Modedesigner erobern die Welt

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Israelische Designer sind auch in den Modemetropolen außerhalb von Tel Aviv bekannt.

(Foto: "Let & Her")

Lange Zeit galt Israel als weißer Fleck auf der Mode-Landkarte, doch in den letzten Jahren hat sich Tel Aviv zum Hotspot der internationalen kreativen Szene entwickelt. Die Metropole bietet jungen Designern die besten Voraussetzungen.

Die Zeiten, in denen der Modezirkus nur in New York, Tokio, London oder Berlin gastierte, sind längst vorbei. Inzwischen ist für viele auch die "Tel Aviv Fashion Week" ein Pflichttermin. Denn in den letzten Jahren haben sich etliche Designer aus Israel in der internationalen Schmuck- und Modebranche einen Namen gemacht. Die Bandbreite reicht von Haute Couture bis hin zu künstlerischem Design.

Konnte man die Israelis früher an ihrer Kleidung und Schuhen erkennen, so hat sich seit Gründung Israels 1948 ein eigener Stil entwickelt ."In den Anfangsjahren war es die blaue und kakifarbene Arbeitskleidung, die den idealen sozialistischen Arbeiter kennzeichnete, so etwas wie Anti-Mode" , sagt Daisy Raccah, die die Kuratorin der Ausstellung "Fashion Statements" im Israel Museum in Jerusalem ist. "Im Laufe der Jahre wurden bewusst ausländische Stile imitiert. Und beispielsweise das Modehaus Maskit kreierte mit einer Synthese aus Ost und West etwas Neues und schaffte etwas israelisches."

Sozialistischer Modestil

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Der "Kova Tembel" gehörte zur sozialistischen Kultur und somit auch zur Mode.

(Foto: Israel Museum)

Sinnbildlich für den typischen Israeli im 20. Jahrhundert bis weit in die 1970er Jahre hinein, war der berühmte "Tembel-Hut" (Hebräisch: Kova Tembel). Vor allem mit der Gründung der Textilfabrik ATA durch den Industriellen Erich Moller im Jahre 1934, wurde er Teil der hebräischen Arbeiterkleidung. Das Unternehmen, das auch Unterwäsche und Uniformen produzierte, wurde im heutigen Kiryat Ata gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs war er der größte Textillieferant der britischen Armee im Nahen Osten. Auch die Mode entwickelte sich vom Sozialismus hin zum Kapitalismus weiter.

Noch bevor radikale Veränderungen in der wirtschaftlichen und politischen Struktur Israels stattfanden, war die Mode ein Zeichen für die gesellschaftliche Spaltung des Landes: "Israels Arbeiter und Soldaten trugen ATA-Kleidung, ebenso wie Mitglieder von Jugendbewegungen, während das Bürgertum in Israel stilvolle Kleidung bevorzugte", berichtet die Kuratorin. Nach mehreren Krisen schloss das Unternehmen 1984 seine Pforten. Erst 2011 feierte die Marke ein Comeback.

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Mit seinen Designs kann das Label auch im Ausland punkten.

(Foto: "Let & Her")

Seit dieser Ära hat sich in Israel in Sachen Mode viel getan. Zwar sind auch altbekannte Marken wie "Gotex-Bademoden," oder "Dorin Frankfurt" immer noch sehr gefragt, doch zahlreiche neue Designer gehören inzwischen zu den besten, was der internationale Markt zu bieten hat. "Ab Mitte der 1990er Jahre gab es viele Absolventen unserer Schule, die sich vor allem im Ausland einen Namen machten," erzählt Yuli Tamir von der Shenkar Hochschule für Technik und Design. "Modeschöpfer wie Nili Lotan, die mittlerweile eine feste Größe in den Fashion-Shows in New York und Paris ist, gehören laut Vogue-Magazin schon lange zu den Geheimtipps, aber auch Inbal Dror und Alon Livne sind in den USA und Europa sehr bekannt und ihre Kleidung wird von Prominenten wie Rihanna, Beyonce, Lady Gaga und sogar Meghan Markle getragen."

Exporte aus dem Mode-Mekka Tel Aviv

Eine Marke, die weltweit in Concept Stores angeboten wird und bei Frauen unterschiedlichen Alters beliebt ist, ist "Let & Her". Die Designer-Damentaschen werden von Laurence Beller aus Antwerpen und ihrer Partnerin Phyllis Sluszny aus Amsterdam geschaffen. In den letzten Jahren hat das belgisch-niederländische Duo den internationalen Markt erobert und ist auf allen großen Shows vertreten. "In Tel Aviv herrscht eine blühende Kreativität und diese Energie ist eine ansteckende Inspiration," sagt Beller. "Wir dachten, dass in der israelischen Modebranche eine Mischung aus Eleganz und Coolness fehlen", erzählt sie. "Eine schön gestylte Tasche lässt jede Frau gut aussehen und so wurde unser Label geboren."

Mittlerweile wurde "Let & Her" in verschiedenen Modemagazinen präsentiert. So auch in der internationalen Frauenzeitschrift Elle. "Seitdem die Medien über uns berichten, wurde unsere Marke immer bekannter", sagt Beller. "Das macht uns natürlich stolz."

Einflüsse aus Orient und Okzident ergeben einen besonders kreativen Output, der sich in der israelischen Mode widerspiegelt. So ist es auch bei der Marke "Holyland," die über politisches Statement, Lebensstil und Atmosphäre sowohl die religiöse Bedeutung Israels, als auch die städtische Atmosphäre von Tel Aviv miteinander verbindet. "Aktuelle Trends werden unmittelbar aufgegriffen und umgesetzt, alles passiert zügig und unmittelbar", sagt Tamir. "Die Menschen in Israel sind aufgeschlossen für neue Materialien, Schnitte, Farben und Formen und daher wird alles auch viel schneller im Alltag getragen. Der Modestil aus der Pionierzeit hat sich weiterentwickelt." Längst ist Tel-Aviv zum Hotspot der internationalen kreativen Szene geworden. Tamir lacht: "Wie Berlin, nur mit Strand", so laute das selbst ausgerufene Motto der aufstrebenden Modestadt.

Quelle: n-tv.de

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