Leben

Die Erotik der Apokalypse Josef Fischnaller, moderner Meister

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Fischnallers Bezug zu den alten Meistern, die Ironie, die Modernität, das Licht - er trifft mitten ins Herz.

Man nehme alte Meister, Malerei, Fotografie und Ironie, und heraus kommen: Neue Meister. Wie bei Josef Fischnaller. Wir begeben uns nun mit seinen Werken auf eine virtuelle Reise, denn "in echt" können wir die Exponate momentan ja nicht sehen.

"Die Erotik der Apokalypse" heißt die Ausstellung. Nun, was ist am Weltuntergang, einer Zeitenwende oder "Gottes Gericht" wohl erotisch? Wenn man Josef Fischnallers Bilder betrachtet, dann wird einem auf den ersten Blick klar, dass uns in unseren vier Wänden in der Corona-Krise jetzt etwas Erotik durchaus nicht schaden kann. Lust und Gefahr, Begehren und Tod - die liegen nah beieinander und das sind Josef Fischnallers Themen, die uns direkt ins Herz treffen. Dabei wird die malerische Sinnlichkeit seiner Fotografien immer wieder durch ironisch humorvolle Details gebrochen.

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Stolz und Vorurteil? Nicht ganz. "Séduction" heißt dieses Bild.

(Foto: J. Fischnaller)

Er zeigt uns beispielsweise eine träumerische, "keusche" Maria, die die Botschaft ihrer Empfängnis über ein iPad empängt. Er zeigt uns auch Verführung durch einen Schwan, die sich nach dem Akt schnell in Tod verwandeln könnte, und der sich vom zerwühlten Lager aus rotem Samt erhebende "Hunter", bewaffnet mit Pfeil und Gabel, begibt sich in die erregende Gefahr einer Jagd, von der er vielleicht nicht zurückkehren wird. Die üppigen Blumenarrangements der Stillleben zeigen sich in Fischnallers Werken in ihrem kurzen Moment der größten Schönheit - bevor der Prozess der Vergänglichkeit einsetzt und der süße Duft der Blüten zum Gestank der Fäulnis wird.

Ja, so steht es im aktuellen Katalog zur Ausstellung, und tatsächlich brauchen wir momentan ein bisschen mehr Fantasie, um uns vorzustellen, wie die in der Galerie Friedmann-Hahn in Berlin Charlottenburg hängenden Kunstwerke auf uns wirken könnten, da man sie sich derzeit ja nicht selbst ansehen kann. Die Galerie hat dafür einen Rundgang durch eine virtuelle Ausstellung zur Verfügung gestellt: Gehen Sie also auf Entdeckungsreise, ganz ohne Drängeln und ganz sicher mit dem gebotenen Abstand.

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Alexander Friedmann-Hahn hat ein Händchen für figurative Kunst.

Josef Fischnaller, der sich in den letzten zwei Jahren intensiv auf diese Ausstellung vorbereitet und eine ganz neue Modernität und vor allem Herzblut in seine neuen Arbeiten investiert hat, wurde, wie so vielen, ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ebenso seinem Galeristen, Alexander Friedmann-Hahn: "Wir hatten bereits beschlossen, die Galerie aus Sicherheitsgründen zu schließen, als es noch keine offiziell angeordnete Schließung durch den Berliner Senat gab. Es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen, welche weitreichenden Auswirkungen das haben würde. Zuerst natürlich für unsere aktuelle Ausstellung und den Künstler Josef Fischnaller, der sehr hohe Kosten für die Modelle, die Ausstattung und Kostüme sowie die Herstellung der Vergrößerungen der Arbeiten in der Vorbereitung hat."

Virtuell statt direkt

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Friedmann-Hahn: "Bei Fischnallers Arbeiten faszinieren mich das Licht, die Eleganz, die Ästhetik und seine feinsinnigen Zeitreisen - wie er die Kunstgeschichte in unsere Zeit transportiert."

(Foto: J. Fischnaller)

Doch auch für Friedmann-Hahn steht nun alles still: "Bei Kunstwerken, die einen bestimmten Preis haben, möchten viele Sammler die Arbeiten auch im Original sehen und nicht nur digital oder virtuell." Das geht nun nicht, aber im virtuellen Rundgang kommt man der Galeriesituation und dem Verhältnis der Arbeiten zueinander schon recht nahe: Der Besucher kann mit dem Cursor zu den einzelnen Arbeiten gehen, sie anklicken und dann die Maße und den Preis erfahren. Das persönliche Gespräch ist zwar nicht zu ersetzen, aber das kann ja einzeln verabredet werden.

Gerade eine Krise wie die momentane zeigt, welche Bedeutung digitale Vermittlung haben kann: "Wir nutzen neben den virtuellen Rundgängen auf unserer Homepage auch die Möglichkeit, dort die Künstler und ihre Ausstellungsvita vorzustellen, aber auch durch von der Galerie produzierte Kataloge, die man auf der Seite als Pdf öffnen und durchblättern kann." Ganz besonders stolz ist Friedmann-Hahn auf die Künstlerfilme, aktuell natürlich der neue Film über Fischnaller, der von seinem Sohn Edgar Fischnaller gedreht wurde. Ein sensibles, sehr persönliches Porträt seines Vaters in der Vorbereitung dieser Ausstellung.

Schönheit und Kraft der Kunst

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"Fischnallers Licht! Das ist berührend und großartig", findet der Galerist.

(Foto: J. Fischnaller )

Was bedeutet eine solche noch nie da gewesene Krise eigentlich für Künstler? "Die aktuelle Situation verunsichert viele meiner Künstler und wir führen lange Gespräche, um ihnen die Ängste zu nehmen", sagt Friedmann-Hahn. Denn Sorgen blockieren die Kreativität. "Aber", erzählt der ehemalige Künstler und jetzige Galerist, "da die meisten Künstler in ihren Ateliers sowieso schon viel alleine arbeiten und quasi dauernd in einer Art Selbstisolation sind, ist es für sie momentan vielleicht keine allzu große Umstellung".

Für die Sichtbarkeit ihrer Werke sind Galerien zuständig, das heißt, "gerade jetzt wird die Bedeutung von Galerien für die Künstler und die Kunstvermittlung sehr deutlich. Wir wollten eigentlich im Mai unser 15-jähriges Galeriebestehen mit all unseren Künstlern feiern, auch mit unseren New Yorker Künstlern, die schon einen Flug gebucht hatten. Das ist jetzt natürlich erst mal verschoben."

Die Situation in New York bereitet Friedmann-Hahn große Sorgen, sein Bezug zu dieser Stadt und seinen dortigen Künstlern ist eng.

Finissage wäre schön

Wann Geschäfte, Galerien und der Rest der Welt wieder eröffnen, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht, daher ist es gut möglich, dass Ausstellungen verschoben werden.

Wenigstens eine Finissage für seinen aktuellen Künstler würde sich Friedmann-Hahn wünschen: "Ich fahre auch jetzt oft in die Galerie und stehe vor den Bildern. Die Schönheit und Kraft der Kunst - dafür zu arbeiten ist ein großes Privileg."

Quelle: ntv.de