Leben

Platzsparend und nachhaltig Mini-Häuser liegen im Trend

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In einem kleinen Haus müssen ausgeklügelte Lösungen her, um geringeren Platz vollständig zu nutzen.

(Foto: © HÄUSER / Adam Scott)

Ressourcen und Böden werden immer knapper, sodass große Häuser seltener werden. Kleinere Versionen sind gefragt. Sie sind oft auch noch deutlich nachhaltiger. Dabei ist kein Mini-Haus wie das andere, wie drei Siegerhäuser zeigen.

Ein eigenes Haus ist der Traum vieler Menschen. Im Jahr 2020 lautet das Motto dabei "Klein, aber fein", denn die geringere Wohnfläche ist vor allem aus Umwelt-Sicht die deutlich bessere Alternative zu XXL-Bauten. Zudem zwingen sie Architekten und die späteren Bewohner zu einer erstaunlichen Kreativität.

Im Rahmen des Häuser-Awards 2020 der Zeitschrift "Häuser" wurden die besten von 20 Häusern unter 150 Quadratmetern ausgezeichnet. Drei Kandidaten zeigen, wo die Reise im Bereich Häuserbau hingeht.

Londoner Stadthaus mit drei Gärten

Das Haus des Architekten Steven Davies liegt in einer kleinen Straße im Südosten Londons. Er bewohnt es gemeinsam mit seiner Freundin Laura Lewis-Davies. 300.000 Euro hat der 125-Quadratmeter-Bau mit 105 Quadratmetern Wohnfläche auf einem 180 Quadratmeter großen Grundstück mit zwei Geschossen gekostet. Die Fassade besteht aus belgischem Klinker. Draußen bieten gleich drei Höfe mit Beeten und Pflanzen eine grüne Abwechslung: "Der größere, zweigeschossige Teil des Hauses liegt zur nördlichen Grundstücksgrenze, der eingeschossige Teil in Richtung Süden. So konnten wir an den Seiten Höfe schaffen und die Sonneneinstrahlung optimieren", sagt Steve im Interview mit ntv. In dem minimalistischen Haus bleibt natürlich keine Ecke ungenutzt: Viele Schränke dienen als Raumteiler, zum Beispiel trennen sie die Küche vom Wohn- und Essbereich und bieten dazu auch noch ausreichend Stauraum. Anstatt normaler setzt Davies vor allem auf Schiebetüren, die wesentlich platzsparender sind. Das Gesamtpaket überzeugte die Jury des Häuser-Awards 2020 so sehr, dass sie es zum Sieger des Wettbewerbs kürten.

Das kleine Schwarze am Ammersee

Auf einer Baufläche von gerade einmal 30 Quadratmetern haben die Architekten und Bauherren sich alle Mühe gegeben, ein besonders nachhaltiges Mini-Haus zum Wohlfühlen zu errichten. Und das ist ihnen auch gelungen, denn das schwarze Häuschen direkt am Ammersee in Bayern hat bei den Lesern den zweiten Platz belegt. Kommt man in das Haus hinein, steht man direkt in der Küche. Ein paar Stufen höher gelangt man in den Wohn- und Essbereich. In der untersten Etage befinden sich das WC, die Dusche und das Schlafzimmer. Bei so wenig Wohnfläche muss natürlich jeder Winkel möglichst sinnvoll ausgenutzt werden: "Ich glaube, die Qualität kommt dadurch zustande, dass wir diese unterschiedlichen hohen Volumen zusammengeschoben und einen großen, fließenden Raum entwickelt haben, anstatt kleine, abgeschlossene Räume zu machen. Dadurch wirkt es trotz der geringen Größe relativ großzügig", sagt der Architekt Fabian Wagner im Interview mit ntv.

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Die riesigen Drehfenster bieten eine einzigartige Nähe zur Natur.

(Foto: © HÄUSER / Regina Recht)

Ein besonderes Highlight dieses Gebäudes sind die 500 Kilogramm schweren Pivot-Drehfenster, die dafür sorgen, dass sich der Raum vollständig öffnen lässt. Beim Bauen legte Wagner besonders viel Wert auf Nachhaltigkeit: "In diesem Haus wurde nichts chemisch versiegelt. Der Sichtbeton wurde mit Steinöl behandelt. Auch die Einbauten aus Eiche wurden nur geölt", erzählt er. Die schwarze Optik des Hauses ist ebenso natürlichen Ursprungs, denn es handelt sich um eine verkohlte Holzfassade: "Durch dieses Verkohlungsverfahren wird das Holz wasserbeständig und resistent gegen Pilzbefall", so der Architekt.

Wochenendhaus Hideout im Wienerwald

Das "Hideout"-Haus hat ebenso eine Auszeichnung bekommen, denn trotz eines großen Grundstückes am Hang entschied sich der Architekt Juri Troy, die Baufläche auf 90 Quadratmeter zu reduzieren. So sollten möglichst viele Bäume und grüne Flächen erhalten bleiben. Familie Bertsch wünschte sich schließlich ein Wochenendhaus zum Entspannen, das eine tolle Aussicht auf den Wienerwald bietet. So befinden sich Küche und Schlafzimmer hinter einer großen Glasscheibe, die den perfekten Blick auf die Landschaft garantiert.

Das Thema Nachhaltigkeit spielte für den Bauherren Christian Bertsch eine große Rolle: "Die Aufgabe an den Architekten war, angelehnt an dieses Haus zwei neue Baukörper auf dieses Grundstück zu setzen. Die Sichtachsen sollten unbedingt erhalten bleiben, sodass wir möglichst wenig von diesem Baumbestand fällen müssen", sagt er im Gespräch mit ntv. Ein Betonsockel sorgt dafür, dass das Haus aus dem Hang herausgehoben wird. Daraus wächst im Innern ein vertikaler Betonkern, in dem sich die Treppe und zwei Badezimmer befinden. Neben Haustechnik und Stauraum fand auch der Kamin hier noch Platz. Smart-Home-Technik sucht man in diesem traditionellen Bauwerk vergeblich: "Wir haben die Technik möglichst reduziert. Wir heizen hauptsächlich mit Holz. Es gibt kein WLAN im Haus. Es ist eine bewusste Entscheidung, denn wenn wir hier aufs Land kommen, wollen wir eine Entschleunigung haben", sagt Bertsch.

Quelle: ntv.de