Leben

"Dirty Talk" vs. "Sex Talk" Verbalerotik will gelernt sein

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Sex Talk - sagen, was man denkt.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Dem anderen beim Sex lustvolle Worte ins Ohr hauchen, das können nicht alle. Ein falsches Wort und die Erotik geht flöten. Was kommt an, was sollte man eher nicht sagen? Unsere Kolumnistin über die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt.

Andrea und Ingo, seit drei Jahren ein Paar, haben es sich zu Hause gemütlich gemacht. Eng aneinandergekuschelt schauen sie einen Liebesfilm, bei dem es plötzlich heftig zur Sache geht, und zwar nicht nur technisch, sondern auch verbal. Der Mann im Film gibt der Frau mehrere Klapse auf den Hintern, die sie offensichtlich sehr genießt. Dabei flüstert er ihr immer wieder schamlose Worte ins Ohr, die das Liebesspiel ordentlich anheizen.

Andrea und Ingo sind nun wahrlich kein prüdes Paar, aber was das gemeinsame Liebesleben betrifft, sind beide nicht gerade die großen Kommunizierer. Andrea sagt: "Ich kann mich über Ingo nicht beschweren. In der Regel kommen wir beide auf unsere Kosten." Während es auf der Mattscheibe immer schlüpfriger wird, streift Ingos Blick die Brüste seiner Partnerin. Er bemerkt, wie sich ihre Nippel aufrichten und sich dabei sanft unter ihrem T-Shirt abzeichnen. Er würde Andrea gern fragen, ob sie die Szene erregt oder eher der Dirty Talk oder beides. Das Blut schießt in seine Männlichkeit.

Nach dem Film gehen die beiden zu Bett. Noch ein bisschen Nachtlektüre vor dem Einschlafen. Andrea will sich gerade ihr Buch schnappen, da fragt Ingo sie: "Wie fandest du den Film?" "Gut", antwortet sie einsilbig. Nachdem sie schließlich zweimal sehr theatralisch gähnt, legt Ingo die Lebensgeschichte Napoleons zur Seite, knipst das Licht aus und fasst sich ein Herz. Er rutscht dicht an seine Partnerin heran und berührt fordernd, aber zärtlich ihren Busen.

Dirty Talk = Stille = Lachen?

Andrea steht innerlich sofort in Flammen. So wie Ingo sie immer berührt, so fordernd und stark mit seinen großen Händen, ist sie von keinem anderen Mann zuvor angefasst worden. Sie denkt: Komisch, dass ich ihm das noch nie gesagt habe. Es knistert, die Atmosphäre ist schnell aufgeheizt. Ingos Zunge wandert an Andreas Hals entlang bis zu ihrem Ohr. "Mmh, komm schon, du willst es hart, du saugeile Muschi!"

Was folgt, ist ein Moment der Stille. Andrea versucht noch, ihre auf der Stelle abebbende Lust einzufangen, ehe sie laut losprustet und in schallendes Gelächter ausbricht. Auch Ingo kann nicht lange an sich halten und binnen weniger Sekunden halten sich beide die Bäuche fest vor Lachen. "Das müssen wir aber nochmal üben", sagt Andrea und wischt sich die Lachtränen aus dem Gesicht.

Dirty Talk, in Filmen stets so frei von der Leber weg dem anderen ins Ohr gehaucht, ist für viele PartnerInnen tatsächlich gar nicht so leicht in die eigene Beziehung integrierbar. Schon gar nicht, wenn man die Lust zuvor nie mit Worten gesteigert hat. Scham spielt dabei - wie so oft - natürlich keine geringe Rolle. Denn viele sind zu schüchtern oder gar ängstlich, das eigene Begehren laut in Worte zu fassen. Dabei kann Verbalerotik gerade für Paare in längeren Beziehungen für neuen Schwung im Schlafzimmer sorgen.

Sie haben Lust auf Dirty Talk, aber wissen partout nicht, wie Sie den ersten Schritt machen sollen, ohne dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner wie Andrea und Ingo losprusten? Keine Sorge, Sie können klein (und fast harmlos) anfangen. Es gibt ein paar Sätze, die Ihnen garantiert leicht von der Zunge gehen. Oberste Devise: sich bloß nicht zu irgendwas zwingen. Wenn Sie dem Partner heiße Worte zuraunen möchten und dabei merken, dass Sie sich überwinden müssen, lieber bleiben lassen und schweigen. Sie müssen sich nicht selbst in Verlegenheit bringen.

Sex Talk kann man lernen

Wenn das Liebesspiel andauert und beide auf Touren sind, gehen kleine Befehle einfacher über die Lippen. Das muss nicht immer gleich ein hartes "Fick mich!" oder "Gib's mir" sein. Ein "Schneller!" oder "Härter" oder "Ja, genauso so!" genügen vollkommen für den Anfang. Sie werden sehen, Ihre gemeinsame Verbalerotik wird sich Wort für Wort steigern.

Bedenken Sie auch, dass Dirty Talk und Sex Talk zwei vollkommen verschiedene Baustellen sind. Vielleicht merken Sie, dass Sie und Ihr Gegenüber gar keine Lust auf schmutzige Worte haben, und sagen dem anderen stattdessen, wie sehr Sie ihn begehren oder wie sehr Sie der nackte Körper des anderen erregt. Erotische Konversation kann das i-Tüpfelchen einer intimen Beziehung sein, aber sie umfasst weitaus mehr als das sexuell explizite. Antörnend kann auch sein, dem anderen zu sagen, wie sehr man beispielsweise seinen Geruch liebt oder wie gut sich der Sex mit ihm anfühlt. Sex Talk kann versaut klingen, muss es aber nicht.

Seien Sie ehrlich, sagen Sie dem anderen, was Sie denken und fühlen. Denn Phrasen wie "Bück dich gefälligst, du geiles Luder!" können ganz schnell nach hinten losgehen. Sex Talk kann man also lernen, genauso wie Dirty Talk. Versuchen Sie es ruhig und tasten Sie sich langsam vor. Sie werden merken, Ihre Partnerin oder Ihr Partner werden sich garantiert freuen, wenn Sie ihr oder ihm hin und wieder zuflüstern, wie erregt Sie sind und was Sie jetzt am liebsten alles mit dem anderen anstellen würden.

Quelle: ntv.de